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17. März 2010
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Beflügelt von einem verspielten Virtuosen

Klaviertransport und Tontechnik: Zwei Braunschweiger begleiten seit Jahren Joja Wendt auf dessen Tourneen

Von Ann Claire Richter

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Eine kleine, aber bedeutsame Informationslücke: Als Christian Ciecior bei der Filmpremiere zu "Sieben Zwerge" in Köln den Flügel für Joja Wendt anliefern sollte, hatte ihm keiner gesagt, dass das 500-Kilo-Instrument in den ersten Stock des Kinos musste. "Kein Fahrstuhl weit und breit", erinnert sich Ciecior grinsend.

Was tun, wenn die Zeit drängt, der Auftritt kurz bevor steht? "Habe kurzerhand alle Köche, Serviererinnen und Filmvorführer zusammengetrommelt, die den Flügel dann mit vereinter Kraft auf einem Schlitten über die Treppen nach oben geschoben haben…" So konnte Wendt ganz pünktlich zur Premiere seine eigens für den Film komponierten Songs beisteuern.

Für 500 Konzerte und Auftritte hat Ciecior bereits den Flügel von Joja Wendt transportiert. Gerade erst war er mit dem verspielten Tastenkünstler auf Tournee. Zwei Monate lang. Fast alle Säle ausverkauft. Doch er war mit Wendt und dessen Steinway auch schon in Singapur, Los Angeles, auf Zypern.

Seit 1987 ist der Umzugsunternehmer spezialisiert auf Klaviertransporte. Ein Freund hatte ihn damals gebeten, einen Flügel von Wohnung zu Wohnung zu bringen. "Ich hatte riesigen Respekt vor diesem schweren, unhandlichen und vor allem teuren Instrument", erinnert sich Ciecior. Damals schwor er sich: Nie wieder!

Umzüge inzwischen nur noch für Pianisten

Doch dann hat er sich erneut beschwatzen lassen: bewarb sich um die Flügeltransporte für das damalige Kammermusikpodium und karrte dann Instrumente für die Pianofabrik Schimmel auf Messen und zu Fernsehshows, lieferte für Grotrian-Steinweg aus. "Hier in Braunschweig ist das Auftragsvolumen durch unsere beiden Klavierhersteller natürlich größer als in anderen Städten", sagt er.

Deutschlandweit sind Cieciors Fachkompetenz und seine technischen Spezialgeräte inzwischen gefragt, "und klassische Umzüge übernehme ich meist nur noch dann, wenn Pianisten umziehen", meint er feixend.

Seit drei Jahren wird der 49-Jährige bei seinen Einsätzen für Joja Wendt von Elmar Gajewi begleitet. Der 42-jährige Tontechniker ist für den glasklaren Sound zuständig. "Dem Flügel darf man nicht anmerken, dass er elektrisch verstärkt ist, er darf nicht wie ein E-Piano klingen", meint Gajewi. Sein Geheimrezept: zwei uralte DDR-Mikrofone, die längst nicht mehr hergestellt werden. "Jeder Flügel ist anders. Bei jedem Instrument muss man den Ton an einer anderen Stelle abnehmen, damit das Instrument authentisch klingt", betont der Tontechniker.

Gajewi ist rein zufällig in die Wendt-Truppe hineingerutscht. Ursprünglich sollte ein Kollege aus Wendts Heimatstadt Hamburg den Job übernehmen. "Da aber alle Plätze in Jojas kleinem Tourbus schon besetzt waren, fragte er mich, ob ich nicht einen Experten aus Braunschweig an der Hand hätte, der dann bei mir im Flügel-Transporter mitfahren könne", erklärt Ciecior. Sofort kam ihm Gajewi in den Sinn. Nun haben die beiden jede Menge Spaß auf den Tourneen, essen mal an der Seite von Comedian Bastian Pastewka zu Abend oder blödeln mit Wendt-Freund Otto Waalkes um die Wette. "Joja ist ein ganz bodenständiger Typ", befinden die beiden. Einer, der früher sein Klavier auf den Hänger geladen habe, um in Innenstädten Musik zu machen. Er habe gelernt, dicht am Publikum zu sein und zähle zu den wenigen Künstlern, die schon in der Pause Autogramme gäben.

"Marmor, Stein und Eisen bricht" brach auch das Eis

Wendt gebe nie auf, sein Publikum zu erobern. "Einmal", erinnert sich Ciecior, "sollte er vor einer Apothekenvereinigung spielen. Eine zähe Angelegenheit, weil einfach keine Stimmung aufkommen wollte. Da griff Joja zum allerletzten Mittel: Er spielte ,Marmor, Stein und Eisen bricht’ – und der Saal tobte!"

Wendt sprudele über vor Ideen, "die er dann aber auch ruckzuck umgesetzt haben will", erzählt Gajewi. So kam dem Pianisten in den Sinn, dass doch zu seinem "Ping Pong Song" auch mal jemand rhythmusgebend auf dem Deckel des Flügels Tischtennis spielen könne. Ciecior organisierte ein Netz, das Management zwei bildhübsche junge Nachwuchsspielerinnen – und Wendt und Publikum hatten ihr Vergnügen mit einem spektakulären neuen Programmpunkt.

Oder die Sache mit den hydraulischen Flügel-Füßen. "Als wir die erstmals vor Klavierhändlern vorführten, kriegten die fast alle einen Herzinfarkt, als das schwere Instrument auf einmal zu schwanken begann wie ein Schiff bei schwerstem Seegang", sagt Ciecior lachend.

Wenn die Wendt-Tournee Station in einer Stadt macht, in der Ciecior Bekannte hat, lädt er die stets für den Abend ein. "Viele wehren dann zunächst ab, weil sie mit klassischen Konzerten nichts am Hut haben. Dann biete ich stets eine Wette an: Schaut’s Euch an, und wenn es Euch nicht gefällt, kriegt Ihr von mir ’ne Kiste Bier!" Ciecior musste anschließend noch nie einen Getränkemarkt aufsuchen.

Samstag, 09.01.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11523260/menuid/2048
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