Eckert: Sperre der Stadt bedroht 400 High-Tech-Arbeitsplätze in Thune
Oberbürgermeister will vor Gesprächen über 20-Millionen-Euro-Investition schriftliche Abkehr von Asse-Plänen
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG will auch nach der Absage des Bundesamtes für Strahlenschutz für die Bearbeitung von radioaktivem Asse-Müll am Standort Thune 20 Millionen Euro investieren.
Geplant ist zunächst ein neuer Müllhof für schwach radioaktive, vorwiegend aus der Medizin stammende Abfälle. "Es geht bei der geplanten Modernisierung nicht um Kapazitätserweiterung, sondern um mehr Effizienz und mehr Sicherheit", sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Eckert. Im zweiten Schritt soll die Kapazität für Radiopharmazie-Produktion erweitert werden.
Das Berliner Unternehmen ist weltweit an zwölf Standorten aktiv. Der Umsatz beträgt 100 Millionen Euro. In Braunschweig sind 115 Mitarbeiter beschäftigt; 20 davon in der Entsorgung. Geschäftsfelder sind vor allem Nuklearmedizin und Strahlentherapie.
Gegen die geplanten Investitionen in Braunschweig steht die von der Stadt angedrohte Veränderungssperre für das Gewerbegebiet Thune. Hintergrund sind Aussagen des Unternehmens, in Thune möglicherweise Asse-Müll für die Endlagerung bearbeiten zu wollen. Die Sperre soll der Rat kommenden Dienstag beschließen. Eckert argumentiert dagegen und will die Entwicklung noch stoppen.
Oberbürgermeister Gert Hoffmann besteht weiter auf eine schriftliche Erklärung von Eckert & Ziegler, dass es definitiv keinen Asse-Müll in Braunschweig konditionieren werde. "Liegt der Brief vor, können wir über alles in Ruhe reden", meint Hoffmann.
"Der Bürgermeister reitet ein totes Pferd. Wir wollen in Thune keine Anlagen für Asse-Abfälle errichten", erwidert Eckert. Der Streit sei überflüssig, weil das Bundesamt für Strahlenschutz klargestellt habe, dass nicht geplant sei, Asse-Müll in Braunschweig zu behandeln.
"Mit der Sperre gefährdet die Stadt also grundlos 400 High-Tech-Arbeitsplätze. Neben uns betreiben dort zwei andere Firmen Nukleartechnik. Wenn der Standort nicht weiterzuentwickeln ist, werden die Firmen früher oder später abwandern. Braunschweig vergibt eine Chance in einem Wachstums- und Zukunftsmarkt", meint Eckert.
Mehrere international tätige Unternehmen der Pharma- und Medizintechnikbranche hätten konkretes Interesse an dem Braunschweiger Spezialwissen und würden deswegen erwägen, ihre Fertigungen für Wirkstoffe oder Medizinprodukte am Standort Braunschweig anzusiedeln, erklärt Eckert.
Politiker mehrerer Fraktionen kritisieren Eckert & Ziegler für mangelnde Transparenz und unglückliche Kommunikation. Der Vorstandsvorsitzende solle in die Fraktionen kommen und seine Pläne offen vorstellen.
Das Unternehmen beklagt, nach Bekanntwerden der Asse-Pläne trotz mehrerer Anfragen keinen Termin bei der Stadtverwaltung mehr erhalten zu haben. So sei es nicht möglich gewesen, das bereits im Mai vergangenen Jahres dem Wirtschaftsdezernat vorgestellte Vorhaben detailliert erläutern zu können. "Der Oberbürgermeister hat durch seinen Gesprächsboykott eine transparente Kommunikation verhindert", sagt Eckert.













