Gespräche mit Flughafen-Chef über kürzere Tunnel-Variante
Architekt Pysall gibt Anstöße, wie die Wunschlösung für den Verkehr doch noch realisiert werden könnte
Architekt Hans-Joachim Pysall bringt unerwartet neue Bewegung in die festgefahrene Debatte um die Verkehrslösung am Flughafen. "Die Situation an der Grasseler Straße schreit nach einer Tunnel-Lösung", meint er.
Und damit trifft er genau die Stimmung der betroffenen, teilweise verunsicherten Menschen in Waggum, Bevenrode und Hondelage. Der erneute Vorstoß für eine Unterführung der verlängerten Startbahn kommt gerade noch rechtzeitig. Denn die Genehmigung für den Flughafenausbau schließt keine verkehrliche Lösung ein.
Dafür wurden nach dem Herauslösen des Aspekts durch ein Gerichtsurteil aktuell vier Alternativen behandelt. Die knapp vier Millionen Euro teuere Ostumfahrung des Flughafens gilt als Favorit. Eine Tunnellösung aber, die von allen als ideal angesehen wird, war wegen vermeintlich zu hoher Kosten nicht erneut zum Thema geworden.
Das ändert sich jetzt, denn Pysall zweifelt an früheren Berechnungen. Er glaubt, dass es günstiger geht. Er kritisiert, dass die in der Vergangenheit genannten 10 bis 16 Millionen Euro immer als Totschlagargument gegen den Erhalt der bestehenden Trassenführung galten. Eine Prüfung der Summen durch exakte Planungen für die "logische Lösung" habe es aber offenbar nie gegeben.
Knackpunkt wird die Finanzierbarkeit
Der mittlerweile im Ruhestand befindliche Pysall, dessen Büros in Braunschweig, Hamburg und Berlin weiter existieren, war unter anderem beteiligt am Ausbau des Flughafens in Leipzig. Dort saß er als Experte in der Wettbewerbsjury. Bestandteil dort war auch eine Untertunnelung. Nur wegen der kontroversen Aufarbeitung des Themas Forschungsflughafen und Demonstrationen in unserer Zeitung hat sich der bekennende Befürworter der Startbahnverlängerung Gedanken gemacht und gibt Denkanstöße.
Um Kosten für den Waggumer Tunnel zu sparen, hat Pysall Vorschläge:
Nicht das komplette Gelände wird untertunnelt, sondern nur der unbedingt notwendige Bereich. Das würde die Tunnel-Länge um mehr als ein Fünftel reduzieren.
Für unerheblich hält er bei einer dann erreichten Tunnellänge von 350 Metern in Nord-Süd-Lage eine kostspielige Lüftungsanlage.
Er führt an, dass durch die etwa zwei Kilometer lange Ostumgehung dauerhaft Kosten für den Autoverkehr wegen Mehraufwands an Zeit und Treibstoff entstünden.
Dazu würde die Natur mit unnötigem -Ausstoß belastet.
Unsere Zeitung konfrontierte Flughafen GmbH und Stadt gestern mit dem Vorstoß. Stellungnahmen gab es noch keine. Aber auf unsere Initiative hin, wird es bereits heute ein erstes Treffen mit dem Geschäftsführer der Flughafen GmbH, Boris Gelfert, geben.
Pysall erwartet für die Tunnel-Lösung weder konstruktive noch statische Probleme. Vorteilhaft für einen Tunnel sei die topografische Situation mit der im Süden erheblich tiefer liegenden Grasseler Straße. Knackpunkt bleibe der Finanzbedarf.
Nach BZ-Informationen könnte die Grasseler Straße ohne Nachteile für den Baufortschritt bis in das Frühjahr 2011 offen gehalten werden. Genug Zeit also für eine exakte Prüfung...













