Braunschweigs Väter spitze in Niedersachsen
Anteil von Männern in Elternzeit wächst weiter Stadt schneidet im Gleichstellungsatlas des Landes gut ab
In keiner anderen Stadt und in keinem anderen Kreis Niedersachsens ist der Anteil von Vätern in der Elternzeit höher als in Braunschweig.
Als Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann dieser Tage den ersten Atlas zur Gleichstellung auf Landesebene vorstellte, meinte sie: "Die Braunschweiger Väter sind noch die modernsten." Das war einerseits als Lob zu verstehen, weil es keiner anderen Kommune so gut gelungen ist, Männern ihre Rolle in der Kindererziehung zu vermitteln. Gleichzeitig steckte in der Aussage auch ein Auftrag, diese Frauendomäne weiter zu öffnen.
Braunschweig scheint zumindest auf dem richtigen Weg. Nach aktueller Statistik aus dem Rathaus ist die Beteiligung der Väter an der Elternzeit im Vorjahr weiter gestiegen. 597 der 2612 Anträge auf Elterngeld sind von Männern unterzeichnet worden. Eine Quote von 23 Prozent.
Eine Erklärung für die wachsende Aufgeschlossenheit von Vätern in Erziehungsfragen hat die städtische Gleichstellungsbeauftragte Maybritt Hugo nicht parat. "Wir haben keine Kampagne gestartet. Umso mehr freue ich mich über diese Entwicklung", sagt sie. Auffällig sei allerdings, dass der Trend schon länger auch verwaltungsintern zu beobachten sei. Im Rathaus würden mittlerweile verstärkt auch Führungskräfte die Möglichkeit zum vorübergehenden Rückzug ins Familiäre nutzen und das zunehmend auch für längere Phasen. "Das hat Vorbildwirkung, spricht sich offenbar herum", so die Gleichstellungsbeauftragte.
Gut steht Braunschweig im Landesvergleich auch bei der Betreuung von Kleinkindern da. Jedes siebte von insgesamt über 6000 Kindern unter drei Jahren nutzte laut Ministerium 2008 das Angebot von fast 1400 Plätzen in der Krippe oder in der Tagespflege. Höhere Quoten erreichten landesweit nur Göttingen, Wolfsburg und Hannover.
Maybritt Hugo spricht von der "Frucht jahrzehntelanger Bemühungen". Die Stadt habe schon 1990 einen Kindertagesstätten-Entwicklungsplan aufgelegt. "Wir hatten also schon eine gute Basis, mussten nicht erste neu anfangen, als es um den Ausbau der Betreuung Unter-Dreijähriger ging."
Handlungsbedarf leitet Maybritt Hugo aus dem Gleichstellungsatlas allerdings bei der Frauenquote in der Politik ab. Nicht einmal ein Drittel der Braunschweiger Ratsmitglieder ist weiblich. Lediglich zwei Fachausschüsse werden von Frauen geleitet. Nur in Salzgitters und Göttingens Kommunalvertretungen sind Männer noch dominanter. Bevor die Parteien mit der Listenaufstellung für die Kommunalwahl 2011 anfangen, will Maybritt Hugo mit einem gezielten Programm des Landes gegensteuern. Sie sagt: "40 Prozent Frauen im neuen Rat das wär doch ein schönes Ziel." Und fast Platz eins im Land obendrein.













