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14. Februar 2012
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Genug Kunden für alle, oder muss eine schließen?

Drei Apotheken, die maximal 73 Meter auseinander liegen, wollen sich behaupten

Von Marc Rotermund

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Wir kommen vom Ölper Knoten und lassen das Klinikum Celler Straße rechts liegen. Auf der linken Seite sehen wir die Storchen-Apotheke.

Genau 73 Meter weiter, auf derselben Straßenseite, befindet sich die Doc-Morris-Apotheke. Und ihr gegenüber, 18 Meter entfernt, liegt die Amalien-Apotheke im neuen Einkaufszentrum Weißes Roß. Und wir, die wir – wie Dutzende andere auch – eine Notdienst-Apotheke suchen, wundern uns und sind gleichzeitig ratlos, nachdem uns die Sprechstundenhilfe beim Arzt den Hinweis gegeben hatte, Dienst habe die Apotheke am Weißen Roß. Aber welche?

„Unglückliche

Situation“

Deutlich ist zu sehen: An keiner Stelle in Braunschweig tobt der Konkurrenzkampf der Apotheken heftiger als hier. Möglicherweise gibt es gar in ganz Deutschland keine Steigerung in einer 1b-Lage wie dieser. Gleich drei Pharmazeuten buhlen im Abstand von wenigen Metern um die Gunst der Kunden.

„Glücklich ist die Situation nicht. Zum Überleben wird es nicht lange für alle reichen. Ich wünsche mir aber, dass es für alle weitergeht“, sagt Hedwig Honisch-Trezinski, die Inhaberin der Storchen-Apotheke.

Deutlich wird auch Werner Sieber, dem die 45 Gehsekunden entfernte Doc-Morris-Apotheke gehört: „Die Situation belastet alle.“ Er prophezeit: „Irgendwann wird einer von uns schließen müssen.“

Als weit herumgekommener Apotheker sagt der Schwabe: „Vielleicht gibt es in einigen 1a-Lagen in Innenstädten einen härteren Konkurrenzkampf von Apotheken auf nur so wenigen Quadratmetern. In 1b-Lagen wie der bei uns an der Celler Straße findet man so etwas aber wohl nirgends sonst.“

Den Beinamen seiner Apotheke (Zum Weißen Roß) hat er sich patentieren lassen. Sieber: „Das ist für uns ein Schutz.“

Verlässt man das Geschäft des Mannes, muss man die Celler Straße überqueren, um zur Amalien-Apotheke zu gelangen. Diese befindet sich im neuen Einkaufszentrum, das im Oktober eröffnet hat. Je nachdem, ob man die Ampel an der Abzweigung zum Neustadtring nutzt, oder ob man es mit Hilfe der Querungshilfe auf der Celle Straße versucht, dauert es zwischen 15 und 65 Sekunden, bis man das Geschäft erreicht.

Die Inhaberin heißt Birgit Gröhlich, und sie sieht den Konkurrenzkampf gelassen: „Das ist ein ganz normaler und belebender Wettbewerb hier. So funktioniert Marktwirtschaft.“ Die Ausfallstraße bezeichnet sie als natürliche Barriere; wer als Kunde auf der gegenüberliegenden Seite sei, bleibe auch dort. Die Apothekerin meint: „Der Markt ist groß genug für alle, die Lage günstig, die Kundenfrequenz hoch.“

Werner Sieber hingegen schätzt die Situation bedrohlich ein – vielleicht auch, weil er harte Zeiten hinter sich hat. Die große Baustelle auf der Celler Straße habe ihn 100 000 Euro gekostet, sein Umsatz sei in dieser Zeit um 40 Prozent zurückgegangen. Und es habe dann auch noch sehr lange gedauert, bis die Kunden zurückgekehrt seien.

„Nach Gesundheitsreform

wurde es immer enger“

Kunden, die seit einem halben Jahr zwischen drei Apotheken wählen können. Sieber meint, sein Geschäft und das der Kollegin Honisch-Trezinski hätten nebeneinander gut existieren können – bis zur ersten Gesundheitsreform im Jahr 2001, die zu massiven Einbrüchen führte. „Danach wurde es immer enger.“

Dass im neuen Einkaufszentrum gegenüber eine dritte Apotheke öffnet, wollten er und auch Hedwig Honisch-Trezinski eigenen Angaben zufolge lange nicht wahrhaben.

Beide erzählen, dass sie auch das Angebot hatten, dort Mieter zu werden, aber aus finanziellen Gründen lieber an ihrem Standort geblieben sind – in der Hoffnung, dass das Geschäft mit Medikamenten und auch Kosmetika für alle reicht im Pharmazeuten-Dreieck an der Celler Straße.

Mittwoch, 17.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11930835/menuid/2048
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