Rund um den Ring soll eine Straßenbahn fahren
Forum stellt Konzept für die Zeit mit der Regiobahn vor Michael Walther: "Einmalige Chance für städtebauliche Veränderungen"
Es ist auf den ersten Blick zu sehen. In dem 36 Seiten starken Katalog zu Braunschweigs öffentlichen Personennahverkehr stecken viel Mühe, viel Kompetenz und viele Ideen. Die Experten Michael Walther und Jan Ehmke legten das Papier für das Braunschweiger Forum, einem Verein zur Förderung bürgernaher Stadtplanung, vor.
Die Autoren haben dabei größeren Wert auf Zukunftsvisionen als auf Bestandsaufnahme gelegt. Die einleuchtende Begründung liefert Michael Walther: "Planungen für öffentlichen Nahverkehr sind nicht kurzfristig möglich. Sinnvollerweise geht es um weitsichtige, perspektivische Entwicklungen."
Den gegenwärtigen Zustand bezeichnet er als vernünftiges Angebot mit einigen Schwächen wie zwei verschiedenen Grundtakten mit 10 und 15 Minuten oder noch mangelhaftem Anschluss von Stadterweiterungsgebieten wie Lamme.
Den Zeitpunkt der Veröffentlichung der visionären Studie bis in das Jahr 2030 hat das Braunschweiger Forum mit Bedacht ausgewählt. "Die Parteien beginnen jetzt, an ihren Programmen zur Kommunalwahl 2011 zu arbeiten. Wir wollen uns konstruktiv in die Debatte einbringen und hoffentlich eine Diskussion zum öffentlichen Personennahverkehr anstoßen."
Gerade jetzt bestehe zudem durch die laufenden Regiobahn-Planungen eine große Chance für die Stadt, gewünschte städtebauliche Veränderungen zu realisieren. "So eine Möglichkeit wird Braunschweig die nächsten 30 Jahre nicht wiederkommen", ist sich Walther sicher.
In der Studie werden deswegen auch Umgestaltungen sensibler Stadträume wie Kennedy-Platz, Ägidienmarkt, August- und Stobenstraße aufgegriffen. Ebenso geht es um den Rückbau überdimensionierter Straßen wie Kurt-Schumacher-Straße oder Helmstedter Straße.
Mit vermehrten Einsatz von Rasengleisen statt Schottergleisen sollen Versiegelungen minimiert und das städtische Erscheinungsbild etwa auf den Hauptverkehrsachsen Wolfenbütteler Straße, Berliner Straße, Hamburger Straße oder Münchenstraße, Elbestraße und Donaustraße verbessert werden.
Die größte Herausforderung für den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft in Braunschweig werde aber darin bestehen, so die Studie, die Anbindung der Regiobahn mit Stadtbahnen und -bussen zu schaffen. Regiobahn-Haltepunkte lägen zum Beispiel in Wenden, Kralenriede, Querum, TU-Campus Nord, Rüningen und Leiferde zu weit entfernt von bisherigen Haltepunkten der Verkehrs AG. Die Verknüpfungen und die besseren Anbindungen von Neubaugebieten wie Lamme, Volkmarode oder Buchenberg werden in dem Papier gefordert. Dringend erforderlich sei auch der Neubau des Bahnhofs West und die Stadtbahnerweiterung auf dem Wilhelminischen Ring.
Weil sich durch die Regiobahn auch die Verkehrsströme aus der Region nach Braunschweig verändern, drohe dem Straßenbahn-Nadelöhr Hagenmarkt der Infarkt, befürchten die Autoren Michael Walther und Jan Ehmke. Bis 2020 geht die Studie von einer Verfünffachung der Fahrgäste aus. "Vergleichbare Effekte haben auch Regiobahn-Projekte in Karlsruhe oder Kassel", verdeutlich Walther.
Das Braunschweiger Forum drängt deswegen auf die Realisierung der zweiten Innenstadtstrecke über Gördelinger Straße, Altstadtmarkt, Brabandstraße zum Friedrich-Wilhelm-Platz als Entlastung für den Bohlweg.
Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink, Tiefbauamtsleiter Heinz-Georg Leuer und Ratspolitiker von CDU und FDP fehlten bei der Vorstellung der Studie. Das Braunschweiger Forum wird ihnen seine Zukunftsvisionen für den öffentlichen Nahverkehr zukommen lassen. "Wir sind offen für einen Dialog, wenn das gewünscht ist", sagt Michael Walther.
Die komplette Studie ist unter www.bs-forum.de zu finden.













