Selbst Videoüberwachung stört Wildpinkler nicht
Lob und Kritik nach Ordnungseinsätzen Öffentliches Urinieren wird nicht von allen streng verurteilt
Hausecken, dunkle Winkel, aber auch Büsche und Beete werden häufig von ihnen aufgesucht den heimlichen Pinklern. Wer in Braunschweig am Wochenende auf Partytour ist, der kann nach gehörigem Bierkonsum durchaus mal müssen, bevor er darf. Städtischer Ordnungsdienst und Polizei verhängten Samstag und Sonntag in einer groß angelegten Aktion Bußgelder gegen 29 Wildpinkler.
Doch die "Unsitte" des öffentlichen Urinierens wird nicht von allen gleichermaßen verurteilt. Petra Aslani von der Gaststätte Quetsche in der Güldenstraße sagt: "Kontrollen wie jene in den vergangenen Nächten sind sicher richtig. Aber eine wirkliche Notwendigkeit sehe ich bei uns in der Ecke nicht." Probleme mit jugendlichen Partygängern habe sie bislang nie gehabt: "Hier laufen zwar viele auf dem Weg von einer Diskothek in die nächste entlang, aber solche Beschmutzungen habe ich bei uns nie festgestellt."
Domprediger Joachim Hempel hat da ganz andere Erfahrungen gemacht: "Früher machte man so etwas nicht, heute kommt es leider immer häufiger vor", sagt er. "Wir beobachten vom Dom aus seit Jahren, dass sich viel im Verhalten der Menschen geändert hat."
Sich den Gang zu einer öffentlichen Toilette zu sparen, das könne auch Schäden verursachen: "Historisches Steinmaterial kann dadurch porös werden", erklärt der Domprediger. "Zudem sieht das nicht schön aus so etwas macht die Stadt für Touristen nicht unbedingt attraktiver." Die Pinkel-Passanten stören sich auch nicht an der Videoüberwachung auf dem Domplatz: "Persönliche Kontrollen bringen sicher mehr, aber man müsste da erzieherisch herangehen", so Hempel. Er würde sich wünschen, dass alle Beteiligten, also Gaststätten- und Diskothekenbetreiber sowie Anlieger und Stadt sich gemeinsam für eine Lösung einsetzten.
Weniger streng betrachtet Ulrich Kwiatkowski das Pinkel-Problem: "Junge Leute benehmen sich heute nicht schlechter als früher, sie sind höchstens etwas hemmungsloser", sagt der Leiter der Tanzschule Haeusler Kwiatkowski. Er gibt Seminare zu Umgangsformen und kennt sich in Fragen der Etikette aus. Seine Erfahrung: "Die meisten jungen Menschen finden das nicht gut. Es sind immer nur Einzelne, die da in Erscheinung treten." Daher sei die den Wildpinklern geschenkte Aufmerksamkeit auch übertrieben: "Man sollte einfach mit ihnen reden. Das ist eine Erziehungsfrage über Verhaltensregeln muss schon im Elternhaus gesprochen werden."
Jugendlichen Achtung voreinander beizubringen, sei nicht einfach in einer Zeit von prägenden Fernsehformaten, die auf öffentliche Blamage ausgelegt seien und sich am vorgegaukelten Scheitern von Menschen ergötzten. Doch auch wenn die Auswüchse schlechten Benehmens heftiger würden, seien sie nicht schlimmer geworden.
"Das kommt bei gutem Wetter nur schneller raus", so Kwiatkowski. Man sollte Spaß miteinander haben, "aber auch dann gibt es natürlich Grundregeln."













