Schüler arbeiten für Kinder in Afrika
Klassen spenden den Lohn für die "Aktion Tagwerk" Dieses Jahr schwierige Suche nach Arbeitgebern
Eine Apothekerin muss Latein beherrschen, soviel hat Camilla Benatar schon gelernt. Im langen weißen Kittel steht die 14-jährige Gymnasiastin vor dem Computer und tippt "Foeniculum" in die Suchmaske das lateinische Wort für Fenchel. Sie forscht nach Angeboten für Tee.
Zwei Stunden wird Camilla in der Hirschapotheke am Zuckerberg arbeiten. Den Stundenlohn wird sie für Hilfsprojekte gegen Kinderarmut in Afrika spenden zusammen mit etwa 90 weiteren Achtklässlern ihrer Schule, dem Martino-Katharineum-Gymnasium. Die Schüler haben sich selbstständig einen Arbeitgeber gesucht, um mit ihrem Lohn die bundesweite "Aktion Tagwerk" zu unterstützen. Mehrere hundert Euro wollen die Klassen auf diese Weise erwirtschaften.
"Wir könnten auch mit der Spendenbüchse rumlaufen, aber mit den eigenen Händen das Geld zu erarbeiten, ist ein ganz anderes Gefühl", sagt Camilla. "Jeder Einzelne verdient vielleicht nicht so viel, aber gemeinsam bekommen wir eine ganze Menge zusammen", ist ihre Mitschülerin Alida Bohnen, 14, überzeugt.
Lehrer Thorsten Herla ist vom Einsatz seiner Schüler begeistert. "Ein Mädchen ist durch jedes Geschäft in Watenbüttel gelaufen und hat gefragt, ob sie ihr zwei Stunden Arbeit bezahlen" , erzählt er.
Jeder Schüler sucht selbstständig nach Arbeit
Der 37-Jährige betreut die Aktion Tagwerk bereits zum dritten Mal. Eine Erfahrung ist für ihn dieses Jahr allerdings neu: Viele seiner Schüler hatten Schwierigkeiten, einen Arbeitgeber zu finden. Der Aufwand sei zu hoch und man hätte keine sinnvolle Aufgabe für die Jungen und Mädchen, hieß es meist. Nun bezahlen häufig Eltern oder Freunde die Schüler für Aushilfsarbeiten. Das war bei der letzten Aktion noch anders. "Ob die Leute auch wegen der Krise zurückhaltender sind? Ich weiß es nicht", sagt Herla.
Lisa Spengler und Nele Neukam, beide 14, hatten Glück. Sie arbeiten bei der Buchhandlung Thalia und haben richtig viel zu tun. Neue Ware ist gekommen und muss ausgepackt werden. Sorgfältig kleben die beiden Preisschilder auf bunte Knautschbälle. "Das ist mal eine schöne Abwechslung zur Schule, wo wir sonst nur sitzen und zuhören", sagt Lisa. 30 Euro wird jedes der Mädchen am Ende verdient haben "mehr als mein monatliches Taschengeld", freut sich Nele.
Mal in die Arbeitswelt schnuppern, einen Beruf kennen lernen auch das ist ein Aspekt, der Lehrer Herla an der "Aktion Tagwerk" gefällt. "Viele Schüler sagen hinterher: Zur Schule gehen ist eigentlich ganz schön", sagt Herla und grinst.












