Studie: Viele Arme, viele Reiche, aber die soziale Mitte ist klein
Landesamt für Statistik untersucht die Verteilung von Einkommen in den Kommunen
Arme und Reiche gab es schon immer. Das Landesamt für Statistik hat nun aber einmal genau hingesehen, um in Erfahrung zu bringen, wie es in den einzelnen Kommunen aussieht. Braunschweig gehört zur Spitze: beim Anteil der Armen und der Reichen.
Es sind Zahlen aus dem Jahr 2008, die zur Basis einer landesweiten Betrachtung über die Verteilung von Armut und Reichtum in Niedersachsen wurden. Anlass ist nicht nur, dass das Jahr 2010 das Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung ist. Die Statistiker wollten auch in Erfahrung bringen, wo im Land es reiche und arme Regionen gibt und wie sich das Einkommen in den einzelnen Kommunen verteilt.
Basis der Berechnung ist das durchschnittlich verfügbare Einkommen in der Kommune. Auch Renten oder Hartz-IV-Zahlungen fließen ein. Von Armut bedroht sind nach Auffassung der Statistiker all diejenigen, die weniger als 60 Prozent dieser Summe erhalten.
In Braunschweig liegt dieser Schwellenwert bei monatlich 760 Euro. 40 400 Braunschweiger, jeder sechste, verfügen nicht über diese Summe. Nur in 5 von 45 Kommunen ist der Anteil höher. Die Statistiker führen als Erklärung an: Nicht nur die Zahl der Hartz-IV-Empfänger spiele eine Rolle, in Braunschweig sind es rund 24 000, sondern auch die Zahl der Studenten, die ebenfalls über wenig Geld verfügen.
Als reich gilt hingegen derjenige, der mindestens das Doppelte des durchschnittlich verfügbaren Einkommens besitzt. 23 300 Braunschweiger können über mehr als 2532 Euro monatlich verfügen. Der Anteil der Reichen werde nur in Hannover und Osnabrück übertroffen.
Ferner stellten die Statistiker fest: Die soziale Mitte dominiere, doch nur in zwei Kommunen des Landes, Hannover und Göttingen, sei sie kleiner als in Braunschweig.
Für den Armutsbeauftragten der Stadt, Armin Kraft, sind die Ergebnisse nur teilweise überraschend: "Es gibt immer noch viele, die es für unmöglich halten, dass es in Braunschweig allein 8000 arme Kinder geben sollte. Die Zahlen der Statistiker sollten nachdenklich stimmen." Allerdings: "Ich bezweifele, dass man mit einem monatlich verfügbaren Einkommen von 2532 Euro bereits als reich gelten darf. Gegenbeispiele gibt es genug."
Ulrich E. Deissner, Vorsitzender der Bürgerstiftung, bezeichnet die Statistik als: "Erschreckend. Mir scheint es so, dass Bildung der Schlüssel ist, Ungleichheiten auszugleichen."













