Schwierige Ermittlungen nach Badeunfall
Betroffenheit unter den Mitarbeitern des Stadtbads – Nach dem Tod des Neunjährigen ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft
Staatsanwaltschaft und Polizei stehen bei der Aufklärung des tödlichen Badeunfalls eines Neunjährigen am Mittwoch im Stadtbad vor schwierigen Ermittlungen. Laut Staatsanwaltschaft ist noch unklar, ob überhaupt jemand den Unfall gesehen hat.
Staatsanwältin Birgit Seel sagt: "Es stellt sich die Frage, ob und wer als Verantwortlicher in Betracht kommt. Wir wissen nicht, ob überhaupt jemand den Hergang beobachtet hat. Es ging alles offenbar rasend schnell."
Ausgeschlossen ist nach der gestrigen Obduktion durch Gerichtsmediziner aus Hannover, dass der Junge durch einen Aufprall nach einem Sprung oder Sturz vom Drei-Meter-Brett zu Tode kam. Ebenso lag keine akute Erkrankung, etwa Herzversagen, vor.
Dass das Unglück jedoch mit einem Sprung oder Sturz vom Drei-Meter-Brett zusammenhängen könnte, ist nicht ausgeschlossen. Der Junge könnte sehr wohl in das an der Stelle des Sprungturms 4,60 Meter tiefe Wasser gesprungen und danach ertrunken sein. Er galt als "Wasserratte", hatte aber keine Schwimmprüfung abgelegt.
Die beiden Schwimmmeister, die am Tag des Unglücks noch keine Aussage über die Situation an dem verhängnisvollen Vormittag gegenüber den ermittelnden Polizeibeamten machten, sind nach Auskunft von Stadtbad-Geschäftsführer Jürgen Scharna auskunfts- und gesprächsbereit.
"Sie standen selbstverständlich unter Schock. Dafür muss man nach so einem tragischen Unglück Verständnis haben. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Schwimmmeister", meint Scharna. Nicht zutreffend sei, dass Schwimmmeister sich immer nur an einem Punkt aufzuhalten hätten. Es gebe ein Regelwerk, vergleichbar mit einer Din-Norm, in dem die Pflichten aufgelistet seien.
"Ein Schwimmmeister hat von wechselnden Standpunkten aus das Geschehen im Wasser zu beobachten. Und natürlich kann nicht zu jeder Zeit jeder Kopf verfolgt werden", erklärt der Stadtbad-Geschäftsführer.
Nach Angaben von einigen Besuchern soll der Junge mehrere Minuten lang regungslos unter Wasser gelegen haben. Solche Aussagen findet Scharna ungeheuerlich. "Wenn Menschen das tatsächlich beobachtet haben sollten, warum haben sie dann nicht geholfen oder sofort auf den Vorfall aufmerksam gemacht. Das wäre unterlassene Hilfeleistung", betont er.
Alle Mitarbeiter des Stadtbades seien tief betroffen von dem Unglück. Viele hätten schlecht oder gar nicht geschlafen. Am Tag nach dem schlimmen Unglück sei die Besucherzahl im Stadtbad zurückgegangen, sagt Scharna. "Natürlich denken Badegäste über so ein Unglück nach, aber am Donnerstag war auch das Wetter nicht mehr so heiß", erläutert der Stadtbad-Geschäftsführer.
Die Ermittlungen der Polizei gingen gestern weiter. Bei einem Unglück mit Todesfolge sei das normal, meint Scharna.
Polizei-Sprecher Wolfgang Klages meint: "Uns geht es darum, lückenlos aufzuklären, wie das Unglück passieren konnte. Uns geht es in erster Linie um den Hergang und nicht um Schuldzuweisungen." Für alle Beteiligte gelte wie stets die Unschuldsvermutung. "Wir suchen auch nach entlastenden Fakten," unterstreicht Klages.













