Verkehrsclub fordert: Nur noch eine Autospur auf dem Bohlweg
Verwaltung und Politik beraten im Herbst erneut, ob es eine Umweltspur für Fahrräder und Busse geben soll
Auf dem Bohlweg soll es nur noch eine Spur für Autos geben, um eine Umweltspur für Räder, Busse und Taxen einrichten zu können. Das fordert der Verkehrsclub und entfacht die Diskussion über die Zukunft der bekanntesten Straße der Stadt neu.
Nach Ansicht des Landesvorsitzenden Harald Walsberg ist die Situation für Radler und Fußgänger auf dem Bohlweg absolut unbefriedigend und zum Teil auch gefährlich.
Schuld daran sei vor allem die mangelhafte optische Trennung von Rad- und Fußweg, die der Verkehrsexperte als ohnehin viel zu schmal bezeichnet für die Menschenmassen, die dort täglich unterwegs sind. "Deshalb kommt es immer wieder zu Zusammenstößen, zu Beinahe-Unfällen oder auch einfach nur zu großem Ärger", sagt Walsberg.
Als Alternative schlägt er vor, den Radverkehr auf die Straße zu verlagern und für ihn eine eigene Umweltspur einzurichten. Busse und Taxis sollten diese auch nutzen dürfen. Für Autos bliebe nur je eine Spur stadtein- und stadtauswärts.
Der Fachmann betont, selbst in Berlin sei eine Umweltspur gang und gäbe und verursache keine Behinderungen. Er meint: "Der Bohlweg mit seiner Tempobegrenzung auf 30 km/h ist für eine solche Regelung prädestiniert."
Die Verwaltung steht der Umweltspur aufgeschlossen gegenüber. Nach Auskunft von Baudezernent Wolfgang Zwafelink beobachtet seine Abteilung das Verkehrsgeschehen dort sehr intensiv. Schon im Herbst werde sie dem Verwaltungsausschuss die Ergebnisse vortragen.
Dieses Gremium hatte Anfang vergangenen Jahres die Einrichtung einer Umweltspur zunächst abgelehnt, die Verwaltung aber gleichzeitig gebeten, die Entwicklung auf dem Boulevard im Blick zu halten.
Vorausgegangen war eine intensive Debatte über die Verkehrsführung auf dem Bohlweg. Experten hatten sich überraschend gegen die Einführung einer Umweltspur ausgesprochen. Oberbürgermeister Gert Hoffmann verstand die Welt nicht mehr. Er sagte vor knapp zwei Jahren: "Bei einem großstädtischen Boulevard, zu dem sich der Bohlweg entwickelt, sollte es Ziel sein, den Autoverkehr zu reduzieren und Fußgängern wie Radfahrern ausreichend Raum zu geben." Um dies zu erreichen, könnten Einschränkungen des Auto-Verkehrs in Kauf genommen werden. Die Fachleute sahen das anders, zumindest damals: Eine Simulation der Verkehrsströme habe gezeigt, dass eine Umweltspur auf dem Bohlweg sogar auf dem Wilhelminischen Ring zu Behinderungen führen würde.













