In Braunschweig hat es sich vorerst ausgezockt
Land schließt alle 14 privaten Wettbüros – Betreiber hoffen auf anderes Urteil des Europäischen Gerichtshofs
"Zu vermieten", steht auf dem einen Blatt Papier, das an der Schaufensterscheibe hängt. "Zu verkaufen", ist auf dem anderen zu lesen.
Was für ein Gewerbe sich in dem leer stehenden Ladenlokal am Rande der Fußgängerzone befand, ist noch gut zu erkennen: Bet 3000 hieß das private Sport-Wettbüro an der Friedrich-Wilhelm-Straße, das inzwischen geschlossen hat. Ein Einzelfall ist das nicht. In Braunschweig hat es sich vorerst ausgezockt.
Wettbüros schossen einst auch in unserer Stadt wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Mittlerweile aber mussten die meisten ihren Betrieb wieder einstellen, weil sie nach einem vom Bundesverfassungsgericht bestätigten, höchst umstrittenen Urteil aus dem Jahr 2006 als illegal angesehen werden. Das Glücksspielmonopol soll weiter allein beim Staat liegen.
Samstags herrschte meist Hochbetrieb
Vorbei die Zeiten, an denen vor allem samstags nachmittags, wenn die Fußball-Bundesliga hauptsächlich ihre Spiele austrägt, Hochbetrieb an der Friedrich-Wilhelm-Straße herrschte.
In diversen Wettbüros konnte nicht nur vorhergesagt werden, welche Mannschaft mit welchem Vorsprung gewinnt. Welche hat Anstoß? Welche nimmt den ersten Einwurf vor? Und welche erzielt die meisten Ecken? Diese und andere Kuriositäten ließen sich tippen.
In Braunschweig sind laut niedersächsischem Innenministerium zuletzt 14 private Wettbüros in Betrieb gewesen. In 10 wurden mit Unterstützung der Stadt die Geräte versiegelt. Die restlichen Betreiber hätten die Vermittlung von sich aus eingestellt.
Meist nach Österreich oder England vermittelt
Die Rechtsgrundlage für das Vorgehen gegen illegale Sportwettenvermittler findet sich nach Angaben des Innenministeriums im Glücksspielstaatsvertrag und dem niedersächsischen Gesetz zur Neuordnung des Glücksspielrechts. Bei Sportwetten handelt es sich um Glücksspiel; die Veranstaltung und Vermittlung setze eine Erlaubnis voraus. Für Sportwetten gelte darüber hinaus der Grundsatz, dass nur an Veranstalter von Glücksspielen in Niedersachsen vermittelt werden darf.
Diese Voraussetzungen aber liegen bei den privaten Wettanbietern nicht vor. "Sie vermitteln meist nach Österreich oder England", bestätigt Markus Maul, der Präsident des Verbandes europäischer Wettunternehmer.
Das Innenministerium ist auch in Braunschweig mit Hilfe einer Untersagungsverfügung gegen die privaten Betreiber vorgegangen. Sie versiegelt die für die Sportwettenvermittlung erforderlichen Geräte oder – wenn das nicht hilft – gar das gesamte Wettbüro. Die Konsequenz dieses Vorgehens: In Niedersachsen hat sich seit Beginn der Versiegelungen im Herbst vergangenen Jahres die Zahl der bekannten illegalen Sportwettbüros weit mehr als halbiert, verrät Frank Rasche, der Sprecher des Innenministeriums. In Braunschweig ist die Landesbehörde schon weiter. Hier hat es sich ausgezockt.
Doch auch Rasche weiß: Es gibt weiter aktive private Wettbüros. "Das liegt vor allem an den ständigen Betreiberwechseln", sagt der Sprecher. Außerdem hätte seine Behörde festgestellt, dass neue Sportwettgeräte neben den versiegelten Geräten aufgestellt werden. Auch Siegelbrüche seien registriert und zur Anzeige gebracht worden.
Ein Insider erzählt der BZ, einige private Braunschweiger Wettbüros hätten noch nicht aufgegeben im Kampf um den Erhalt ihres Gewerbes. Sie hoffen, dass der Europäische Gerichtshof das Glücksspielmonopol des Staates in Deutschland kippt. Laut Markus Maul vom Verband europäischer Wettanbieter ist dies eine begründete Hoffnung. Er sagt: "Europaweit gibt es eine Liberalisierungstendenz."
Der Gang vor ein Verwaltungsgericht indes habe wenig Aussicht auf Erfolg, weiß Maul. Die Oberverwaltungsgerichte hätten den Glücksspielstaatsvertrag und dessen Folgen zuletzt meist bestätigt.













