Alle Rosskastanien in der Stadt durch Schildläuse und Motten bedroht
Experten: Langfristige Rettung der Bäume nur mit erheblichem finanziellen Aufwand möglich
Regen, Sonne. Bestes Wachstumsklima – doch Braunschweigs Kastanien bieten ein erbärmliches Bild: Nahezu alle 1800 Bäume wirken krank. Experten sagen: Für ihren Erhalt muss die Stadt Geld investieren. Sonst hätten die Kastanien keine Zukunft im Stadtbild.
Wie berichtet ist es neuerdings die Wollige Napfschildlaus, die neben der seit Jahren aktiven Miniermotte die Bäume befällt und ihren Blättern Feuchtigkeit entzieht.
Zu Wort meldete sich jetzt der ehemalige Leiter des Stadtgartenamtes, Friedrich Schindler: Seit Jahren, sagt er, sei bekannt und zu beobachten, dass die Rosskastanie von eingewanderten Schädlingen befallen wird, besonders von der Miniermotte. Alle Versuche durch Aufsammeln von abgefallenem Laub sind seiner Meinung nach ebenso sinnlos wie eine chemische "Rosskur", wie sie am Ritterbrunnen verordnet wurde.
Schindler ist überzeugt: "Über kurz oder lang wird es hier keine Kastanienbäume mehr geben."
Künftig nur rotblühende Kastanien pflanzen
Sein Vorschlag: Man könnte die kranken (weißblühenden) Kastanien besser gleich durch die bisher nichtgefährdete rotblühende Kastanie ersetzen und so weitere Mittel für Gutachten und Sanierung sparen.
Stefanie Hahn, Sprecherin des Julius Kühn-Instituts, meint, die Stadt müsse sich entscheiden, ob sie ihre stadtbildprägenden Kastanien behalten wolle. "Wenn ja, wird es erforderlich sein, einen verstärkten Pflegeaufwand zu betreiben, etwa das Aufsammeln und Entsorgen von mottenbefallenen Blättern."
Nicht so negativ schätzt die Stadt die Situation ein. "Dass Kastanien langfristig dem Untergang geweiht sind, ist eine These, die die Verwaltung nicht bestätigen kann", sagt Sprecher Adrian Foitzik. Im Gegenteil, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald fordere geradezu auf, neue Kastanien (Baum des Jahres 2005) zu pflanzen.
Von den etwa 1800 Kastanien auf städtischem Grund sei in den vergangenen Jahren auch bisher keine auffällige Anzahl eingegangen. "Die Bäume werden von der Miniermotte geschwächt. Ob sie langfristig eingehen, ist keineswegs gesagt", so Foitzik. Es könnten Resistenzen auftreten, die Zahl der Schädlingen wieder zurückgehen und so weiter. "Vor ein paar Jahren litten die Platanen an der Platanenwelke. Dies ist heute kein Problem mehr."
Die Kastanien am Ritterbrunnen seien mit erheblichem Aufwand behandelt worden (rund 23 000 Euro). "Die Investitionen sind aber dauerhaft gut angelegt. Selbst wenn die Kastanien nicht überlebensfähig sein sollten, würden künftige Bäume von der Optimierung der Standortverhältnisse profitieren."













