Rotwild mit Blasrohr betäubt
Tiere wurden aus dem Wildgehege Riddagshausen in den Saupark/Springe umgesetzt
Die kleine Rotwildherde in Riddagshausen gibt es nicht mehr. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat die Braunschweiger Jägerschaft die Tiere betäubt und anschließend in einem Pferdetransporter zum Saupark/Springe gekarrt. Zurückgeblieben ist das Damwild in seinem kürzlich sanierten Gehege.
Grund des Umzugs: Das Gehege ist marode. Außerdem versteckte sich das scheue Rotwild im Dickicht und war für Besucher selten zu sehen.
Donnerstag kurz nach Morgengrauen: Der Geschäftsführer des Braunschweiger Zoos in Stöckheim, Uwe Wilhelm, sein Sohn Gregor und der Zoo-Tierarzt Dr. Florian Brandes laden ihre Blasrohre. Das Rotwild ist bereits in einen abgeteilten Bereich des Areals getrieben worden.
Wilhelm klettert zu den Tieren ins Gehege; Gregor und Brandes warten vor dem Zaun auf eine gute Schussmöglichkeit.
Es dauert einige Zeit, bis sich die Gelegenheit bietet. Mit den eineinhalb bis knapp zwei Meter langen Rohren können Betäubungsschüsse bis zu 30 Meter gesetzt werden. Im Riddagshäuser Gehege sind es nur maximal 15 Meter.
Dann ist es soweit. Uwe Wilhelm holt tief Luft und pustet. Der Pfeil mit dem Betäubungsmittel "Hellabrunner Mischung" sitzt. Wenig später schießt Wilhelm einen zweiten Pfeil ab. Dr. Brandes trifft ebenfalls zwei Tiere. Zehn Minuten später liegt die kleinen Herde in tiefem Schlaf. Kräftige Männer wuchten die Vierbeiner jetzt in den Transporter, und los gehts. Nach einer Stunde Fahrt wachen die Vierbeiner in ihrem neuen Zuhause auf. Inzwischen haben sie die Aufregung überwunden und sich im neuen Gehege zurechtgefunden.
Der Vorsitzende der Jägerschaft, Hennig Brandes, verteidigt die Heimlichkeit der Aktion: "Das war für die Tiere jetzt schon aufregend genug. Wenn Zuschauer um das Gehege herumgestanden hätten, wäre das dem Rotwild nicht gut bekommen." Die Öffentlichkeit sei über das Vorhaben informiert worden. Aktuell wollte man nichts mitteilen, erklärt er. Auch Tierheimleiter Herbert Nagel verteidigt den Transport zur frühen Stunde. "Vom Tierschutz gibt es da nichts zu bemängeln. Besucher hätten für noch mehr Aufregung gesorgt."
Unstimmigkeit besteht über die Anzahl der in den Saupark überführten Tiere: Nach Auskunft von Brandes sind sechs Tiere umgezogen. Uwe Wilhelm und Dr. Brandes dagegen haben nach eigenen Angaben nur vier Tiere betäubt. Abgeschossen worden sei kein Tier.
Das in den 30er-Jahren gegründete Gehege soll demnächst abgerissen werden, sagt Claudia Leopold vom Fachbereich Stadtgrün. Im Laufe der Zeit sei das Holz völlig morsch geworden. Nach dem Abriss müsse das Gelände gesäubert, saniert und aufgeforstet werden. Danach werde es wieder dem Naturschutzgebiet Riddagshausen zugeordnet.













