Brand riss Riesenlücke
Gruppen aus dem Selam stehen auf der Straße Zukunft ungeklärt
"Wir waren jeden Tag da, hatten Spaß, haben Freunde getroffen. Jetzt sind wir auf der Straße." Ümit Mur, 19, spricht für bis zu 140 Kinder und Jugendliche: die "Selam-Familie", der nun das Dach über dem Kopf fehlt.
Die städtische Einrichtung in der Hamburger Straße, die am 1. April abgebrannt ist, war Treffpunkt vor allem für türkische Kinder und Jugendliche des Viertels um die Karl-Schmidt-Straße. "Im Selam haben meine Kinder gut deutsch gelernt, und meine Sohn ist durch die Hausaufgabenhilfe in der Schule besser geworden", erzählt Atila Yildirim.
"Sie waren dort gut betreut, sind ins Museum oder ins Schwimmbad gegangen", ergänzt sein Bruder Kader Yildirim, dessen Tochter (9) und Sohn (8) täglich in der Kinderetage waren. "Wo sollen sie jetzt hin?", fragen die beiden Väter ratlos, die selbst im Selam aufgewachsen sind. "Mein Vater war schon dabei, meine Frau hat in der Folkloregruppe mitgemacht, jetzt sind wir in der dritten Generation im Selam das geht immer so weiter", betont Kader Yildirim die große Bedeutung des Jugendzentrums für seine Familie.
Ümit Mur, Fatih Celik und Serhan Sahin haben sich gegenüber des abgebrannten Gebäudes, auf dem Gelände des Pressehauses, auf eine Bank gesetzt. In ein anderes Jugendzentrum zu gehen, kommt für die drei Freunde nicht in Frage. "Wir sind hier geboren, wir müssen hierhin", erklärt der 19-jährige Ümit, der eine Ausbildung als KfZ-Mechaniker macht und regelmäßig nach der Arbeit hereinschaute. "Jetzt treffen wir uns draußen, auf der Straße."
Fernseher, Internetzugang und Fitnessraum gebe es da allerdings nicht, beschreibt Fatih Celik (18) einige der Verluste. Auch er sieht zurzeit keine Alternative zu dem Jugendtreff.
"Das Schlimmste ist, wir haben in der Karl-Schmidt-Straße keinen Spiel- oder Bolzplatz, noch nicht einmal eine Sandkiste" für Kader Yildirim ist das ein Dilemma. Yilmaz Ilhan, dessen drei Kinder ebenfalls regelmäßig im Selam waren, spricht einen anderen Aspekt an: "Ich vermute, dass die Jugendlichen schlimme Sachen machen, wenn sie nicht in Obhut sind."
Zumindest die Schülerhilfe des Selams konnte in der Nachbarschaft untergebracht werden, und auch für einige andere Gruppen soll es in Kürze Ausweichräume geben. Bis dahin sind die drei Mitarbeiter in der Nachbarschaftshilfe in der Hamburger Straße erreichbar.
"Die Entscheidung, ob Teile des Gebäudes für das Selam wieder hergerichtet werden, ist noch nicht getroffen", sagte Adrian Foitzik von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage. "Es muss schnell eine Lösung gefunden werden", fordert Kader Yildirim. "Das Selam fehlt uns."











