Drei Tonnen Schadstoffe
Sanierung des Voigtländer-Geländes beginnt 2004
Die Stadt Braunschweig wird zu Beginn des kommenden Jahres mit der Sanierung des mit Lösemitteln belasteten Geländes der ehemaligen Firma Voigtländer an der Berliner Straße, Ecke Petzvalstraße beginnen.
Dabei sollen mehr als drei Tonnen Schadstoffe in einem biologischen Verfahren in ungefährliche Verbindungen umgewandelt werden. Das hat die Untere Bodenschutzbehörde bei der Stadt jetzt den Anwohnern in einer Informationsveranstaltung mitgeteilt.
"Voraussetzung für die Sanierung war eine Einigung zwischen der Stadt und zwei der Rechtsnachfolger der Firma Voigtländer als Verursacher der Altlast. Sie haben für das Projekt 750000 Euro bereit gestellt. Die Sanierung wird voraussichtlich fünf Jahre dauern und umfasst eine Fläche von etwa 4000 Quadratmetern", so die Stadtverwaltung.
Damit kann die Stadt, die sich nach eigenen Angaben jahrelang um die Reinigung des belasteten Geländes bemüht hatte, nun tätig werden. Erst Mitte der 80er Jahre, über 15Jahre nach der Betriebseinstellung, war die massive Belastung mit chlorierten Kohlenwasserstoffen entdeckt worden "mehr als 50 Jahre waren diese Stoffe bei der Herstellung optischer Geräte der Firma Voigtländer verwendet worden", sagte ein Sprecher der Verwaltung.
Wege zur Finanzierung
Seitdem hatte die Stadt Braunschweig nach eigenen Angaben die Möglichkeiten einer Sanierung geprüft und nach Wegen für die Finanzierung gesucht. So sei ein Pilotversuch zur hydraulischen Sanierung unternommen worden, der bis Mitte 2002 auch eine Sicherungsmaßnahme gewesen sei: "Das weitere Abströmen von Schadstoffen in Richtung auf das Wasserwerk am Bienroder Weg wurde so verhindert. Zur Sanierung erwies sich das Verfahren aber als zu kostenaufwendig."
Der Durchbruch sei in diesem Jahr erfolgt, teilte die Stadt mit: "Zum einen gelang die Einigung mit zwei Firmen, die als ehemalige Betreiber bzw. Rechtsnachfolger für den Schaden Verantwortung übernommen haben. Damit war das Vorhaben finanziell abgesichert." Zum anderen sei die Stadt über einen Ideenwettbewerb Anfang des Jahres auf ein kostengünstiges und schonendes Verfahren gestoßen.
Milchsäure und Melasse
"Mit dem Einsatz von Milchsäure und Melasse, einem Abfallprodukt aus der Zuckerherstellung, werden die Schadstoffe im Boden umgewandelt und müssen nicht aus dem Boden gepumpt oder mit dem Boden ausgehoben werden." Und: "Der Einsatz von Melasse zeigt die gleiche effektive Wirkung wie spezielle technologische Produkte oder patentierte Nährlösungen, die wesentlich teurer sind. In den USA und den europäischen Nachbarländern ist dieses Verfahren zur Sanierung von Schäden durch chlorierte Kohlenwasserstoffe bereits etabliert", sagte Andreas Romey von der Unteren Bodenschutzbehörde.
In den folgenden Monaten stehen zunächst auf dem großen Gelände abschließende Untersuchungen an, die die Sanierung vorbereiten. Dabei werde aber von der Sanierungstechnik nicht viel zu sehen sein; wesentliche Teile der Anlagen würden unter der Erde installiert.
Anfang 2004 beginnt dann die Sanierung der Flächen, in denen Schadstoffe in den Untergrund eingetragen wurden. "Mit dem Eigentümer einer weiteren Fläche wird derzeit noch verhandelt", teilte die Braunschweiger Stadtverwaltung abschließend mit.













