Noch keine Gen-Produkte im Regal
Seit Sonntag gilt die neue Kennzeichnungspflicht Wie reagieren die Märkte, was sagen die Verbraucher?
Mais mit "eingebautem" Schutz gegen Schadinsekten. Reis, dessen Körner Beta Carotin enthalten, das der menschliche Körper zu Vitamin A umsetzt. Tomaten, die durch ein Zusatzgen nicht matschig werden. Beispiele für genetisch veränderte Lebensmittel, Novel Food, die wohl schon bald auch bei uns zum Verkauf feilgeboten werden.
Und gekauft werden? Nun, US-Bürger sind da weniger zimperlich: Sie verzehren seit Jahren ohne Bedenken Novel Food-Produkte, Cornflakes und Popkorn aus Gen-Mais etwa, Ketchup aus manipulierten Tomaten. Deutsche Verbraucher sind da skeptischer. 70 Prozent, heißt es, lehnten diese Lebensmittel ab.
Nun, bislang sind gentechnisch veränderte Lebensmittel noch nicht auf dem Markt. Doch die Weichen sind gestellt: Seit Sonntag gilt auch hierzulande die EU-Gentechnik-Kennzeichnungspflicht. Wir sahen uns um: Wurden bereits Waren gekennzeichnet? Die Antwort: nein. Und so wird es wohl auch erstmal bleiben. In den nächsten Monaten zumindest. Dazu ein Sprecher der Rewe-Gruppe (HL, Minimal, Penny) gegenüber unserer Zeitung: Bei Eigenmarken habe man in absehbarer Zeit nicht vor, veränderte Zutaten zu verwenden, und auch bei Fremdmarken habe bisher kein Hersteller angezeigt, dass er den Einsatz von veränderten Stoffen beabsichtige.
Ähnlich äußerten sich Sprecher anderer Märkte, etwa der Metro-Gruppe (Kaufhof, Real, Extra). Man biete derzeit keine gentechnisch veränderten Produkte an, hieß es, die gekennzeichnet werden müssten. Allerdings, das sei der Jetzt-Zustand. Ein Blick auf die Weltmärkte zeige: Der Trend gehe zu Gen-Food.
Und was sagen die Verbraucher zu Novel-Kost? "Würde ich bedenkenlos kaufen", meint Jens Wolter (23), den wir vor einem Supermarkt treffen. Er habe zur Wissenschaft vollstes Vertrauen. Etwas skeptischer ist da schon Thomas (25): "Also, ich weiß nicht..." Es komme darauf an, wie stark ein Lebensmittel gentechnisch verändert sei. Arne Becker (21) hätte keine Bedenken. Er sieht Vorteile darin, Pflanzen gentechnisch resistenter zu machen. Und er hegt die Hoffnung, dass Lebensmittel billiger werden könnten.
Es fällt auf: Vor allem Jüngere sind Novel Food gegenüber aufgeschlossen. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Etwa die von Inge Jortzick (60). Sie meint: "Ich verstehe überhaupt nicht, warum gentechnisch an Pflanzen herummanipuliert wird. Es gibt doch weltweit soviel Überschuss, das vieles verbrannt wird." Inge Jortzick ist überzeugt: In einigen Jahren werde man die ersten Fehler entdecken. "Und dann macht man alles wieder rückgängig."
Ins gleiche Horn stößt ein 65-jähriger Kunde, den wir vor dem Markt treffen. Er würde, sagt er, niemals Genprodukte kaufen. "Die Amerikaner sollen das für sich behalten."













