Aerodata macht Flughafen Kabul flott
Braunschweiger Firma hat afghanischen Hauptstadt-Airport vermessen Zwei Monate in Krisenregion
"Da unten", zeigt Thomas Wede, "das Gemäuer da, das ist das Kabuler Gefängnis: Wenn ihr da drüber fliegt, hatte man uns gesagt, schießen die Wachen mit ihren Kalaschnikows." Wede war gewarnt. Der 42-Jährige, Chefpilot bei Aerodata, mied den Knast fortan bei seinen Messflügen. Im Team mit drei Kollegen justierte er zwei Monate ein automatisches Landesystem am Kabuler Flughafen.
Und zwar erfolgreich. Wochenlang kurvte dafür die 2-motorige Beech B 200 T, die normalerweise am Waggumer Flughafen steht, kreuz und quer über dem Kabuler Luftraum, landete, startete wieder, um festzustellen, ob die im Landesystem eingestellten Daten mit den realen Gegebenheiten übereinstimmen, die Maschine also butterweich und möglichst punktgenau zu Boden kommt. Dazu, erklärt Thomas Wede, seien bis zu 40 Anflüge nötig. Zusätzlich werden bestimmte Muster rund um den Platz abgeflogen; Signalgüte und Reichweite des Funksenders werden so getestet und erforderlichenfalls nachgebessert. "Die Signalgüte", weiß Thomas Wede, "ist besonders in der gebirgigen Gegend rund um Kabul wichtig." Wie gemessen wird? Mit Hightech-Instrumenten an Bord der Beech B 200 T; sie zeigen dem Messingenieur jederzeit, an welchen Punkt genau sich die Maschine gerade befindet. Die Position wird dann (in Echtzeit, per Funk) mit den Daten des am Boden installierten Landesystems abgeglichen, unpräzise Einstellungen in Landekurs-/Gleitwegsender korrigiert, etwa, wenn der tatsächliche Landewinkel der Maschine steiler ist als errechnet. Erst, nachdem alle Daten übereinstimmen, geben die Braunschweiger Flugtechniker automatische Landesysteme für den Flugverkehr frei. So auch Ende Mai in Kabul.
Der Flughafen dort, größenmäßig vergleichbar mit dem in Hannover, liegt 1800 Meter hoch; er wird zurzeit vorwiegend militärisch genutzt und ist streng bewacht. Immerhin 8 bis 10 Flugbewegungen stündlich gebe es inzwischen wieder, berichtet Thomas Wede. Was angesichts der katastrophalen Lage, in der sich die afghanische Fluginfrastruktur nach dem langem Bürgerkrieg befand, recht viel sei. Die Flugzeugflotte, erfuhren die vier Braunschweiger, sei komplett zerstört worden, fast alle Piloten seien aus dem Land geflohen oder gefallen. Inzwischen, berichtet Wede, fliege die Ariana Afghan Airlines wieder: einen alten Airbus habe sie von der Air India erhalten, drei alte 727-er von anderer Seite.
Die am Waggumer Flughafen beheimatete Firma Aerodata erhält zahlreiche Aufträge im nahen Osten; vier- bis fünfmal jährlich startet die Beech B 200 T dorthin: "Wir fliegen praktisch den ganzen persischen Golf rauf und runter." Die Flugvermessung ist ein Projekt der Internationalen zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO), eine Unterorganisation der Uno; das Projekt wird finanziert von der Weltbank. Ziel: international sichere Flughäfen schaffen.













