Großeltern kämpfen um ihre Enkel
Normaler Umgang wird boykottiert Initiative verwaltet bereits 70 Fälle Jugendamt setzt auf Mediatoren
Die meisten älteren Menschen, die zur Großelterninitiative pro Enkel kommen, sind am Boden zerstört, enttäuscht, traurig, verbittert. "Viele sehen einfach keinen Ausweg mehr, aber sie wollen auch nicht aufgeben. Sie wollen ihre Enkelkinder wieder sehen, weil sie sie lieben", sagt Initiatorin Marianne Heß (61).
Das Problem der Mitglieder der Initiative: Enkelkindern aus Trennungen und Scheidungen wird von Elternteilen der normale Umgang mit den Großeltern verwehrt. Marianne Heß spricht von "seelischem Missbrauch der Kinder." Sie sagt: "Ich kenne kein Kind, dass seine Oma und Opa nicht sehen will, mal dort schlafen oder etwas zusammen unternehmen will. Die Kinder sind manipuliert worden."
Das Ziel der Initiative: Sensiblere, einvernehmliche Lösungen, so wie in Cochem praktiziert. Nach dem dortigen Modell sind alle beteiligten Stellen vernetzt, arbeiten gemeinsam und mit Erfolg. "Kaum ein Fall geht in die zweite Instanz", erklärt Marianne Heß. Es werde zum "Wohl der Kinder und nach den Befindlichkeiten der Erwachsenen" entschieden.
Gestützt ist die Initiative durch das 1998 in Kraft getretene Kindschaftsrecht: "Großeltern haben ein Recht auf Umgang mit ihren Enkelkindern." Und Norbert Winkler, Leiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Famile, weiß, dass die Zahl der Fälle nicht kleiner wird: "Die Probleme mit Großeltern sind Einzelfälle. Die Scheidungsraten nehmen aber zu. Die Probleme mit dem Umgangsrecht sind bereits alltägliche Praxis unserer Sozialpädagogen."
Auch Winkler will wie die Kollegen in Cochem neue Wege gehen. "Wir haben aber eigene Vorstellungen", sagt er. Bislang wird das Jugendamt beteiligt, wenn ein Gerichtsverfahren anhängig ist. Dann sind Lösungen zu empfehlen. Geplant ist eine frühzeitige Einbindung von freien Mediatoren, die zwischen den Parteien in Scheidungsfällen vermitteln sollen. Auch, wenn Großeltern betroffen sind.
Marianne Heß schildert einige der 70 Fälle aus ihrer Großelterninitiative, die Mitglieder über die Landesgrenzen Niedersachsens hinaus hat:
Nach der Scheidung ihres Sohnes boykottierte die Mutter jegliche Treffen mit dem Enkelsohn (11).
Nach der Scheidung der Eltern leben die Enkel (3, 9, 12) eines Großelternpaares bei verschiedenen Pflegeeltern. Die Pflegeeltern des älteren Geschwisterpaares verwehren den normalen Umgang. Treffen gibt es einmal im Monat eine Stunde lang im Beisein der Pflegeeltern und eines Vertreters des Jugendamts.
Nach der Scheidung ihrer Tochter darf eine Großmutter wohl das Kind aus erster Ehe sehen, aber nicht ihr Enkelkind (3) aus der neuen Partnerschaft ihrer Tochter.
Zu ihren Enkelsohn (6) darf ein Großelternpaar keinen Kontakt pflegen. Tochter und Vater boykottieren Treffen. Es muss vor dem Familiengericht entschieden werden.
Quasi großgezogen haben die Großeltern ihre 8-jährige Enkelin. Nach der Scheidung wurden Oma und Opa ausgegrenzt von der früheren Schwiegertochter. Zwei Jahre lang gab es keinen Kontakt. Lichtblick: Am Wochenende steht ein gemeinsamer Kinobesuch der Großeltern mit Enkelin an.













