Angst vor ECE geht um: Läden nur schwer zu vermieten
Lagen verändern sich, Filialisten schließen deshalb kurzfristige Verträge ab Viele Leerstände in renovierter Dompassage
"Tote" Schaufenster, mit graubraunem Packpapier abgeklebt, zersplitterte Scheiben: Seit Monaten stehen hunderte Quadratmeter Ladenfläche leer, und nur ab und an verirrt sich mal ein Kunde in die gerade erst für 600 000 Euro renovierte Dompassage während Tag für Tag Tausende, ohne die Meile auch nur eines Blickes zu würdigen, vorbeibummeln.
Die Passage, 1970 als überdachte Einkaufsmeile zwischen Kleiner Burg und Schuhstraße konzipiert, war nie eine Top-Adresse, doch anno 2005 bietet sie einen bedauerlichen Anblick. Und das hat seinen Grund. Dazu Makler Kersten Steinberg, er vermarktet hier einige Ladenflächen: Es sei momentan schwer, neue Mieter zu finden. Denn: Die bevorstehende Eröffnung des ECE-Centers Schloss-Arkaden verunsichere den Markt total.
Niemand weiß, was kommt
Konkreter: Niemand wisse, was nach 2006 komme, wie sich die Ansiedlung von 30 000 qm Verkaufsfläche jenseits den Bohlwegs auf den innerstädtischen Einzelhandel auswirken werde. Steinberg: "Vor allem die Filialisten halten sich zurück. Die sagen sich: Eigentlich wollen wir später sowieso ins ECE, warum sollen wir jetzt hier reingehen? Die überlegen sich das dreimal."
Steinberg berichtet bereits nun, im Vorfeld, von "extremen Auswirkungen" der ECE-Ansiedlung. Seine Beobachtung: "Kein Filialist schließt heute mehr, wie üblich, einen Mietvertrag über 10 Jahre ab; denn man weiß ja nicht, wie sich die Lagen und Mieten nach der ECE-Eröffnung verändern werden, und da will sich niemand langfristig festlegen."
Und zudem: Schon jetzt seien die Ladenmieten in der Innenstadt spürbar gesunken. Am schlimmsten betroffen: die so genannten B-Lagen (wie die Dompassage). Steinberg: "Die leiden extrem."
Grund mit drei Buchstaben
Das bekommt derzeit auch ein Braunschweiger Maklerbüro zu spüren, es soll im Auftrag eines Düsseldorfers die Läden rund um die Diskothek "Tango" vermarkten. Ja, seit fast einem Jahr, heißt es auf Anfrage, stehe der ehemalige Erotik-Markt leer. Und dafür gebe es auch einen Grund mit drei Buchstaben: ECE.
Das Grundproblem der unscheinbaren Passage: Ihr fehlen zwei Magneten an Ein- und Ausgang nämlich. Steinberg: "Das sind bei der Burgpassage, zum Beispiel, auf der einen Seite Karstadt, auf der anderen der Damm. Kein Wunder also, das Ding brummt wie verrückt."
Fazit: Die Furcht vor den Schloss-Arkaden geht bereits um in Braunschweigs Einzelhandel, aber auch die Hoffnung. So könnte die von Leerständen gebeutelte Wilhelmstraße von dem Shopping-Center gar profitieren. Zurzeit kaum mehr als eine B-Lage, werden hier wohl die Mieten bald nach oben schnellen.













