Locker auf den Achttausender
Drei Extremsportler stiegen auf der City Point-Rolltreppe dem Gipfel des Mount Everest entgegen
"Aufwärts, aufwärts . . ." Gleichmäßig drehen drei Extremsportler im City Point ihre Runden. 1967 Mal überwanden sie die viereinhalb Meter Höhenunterschied der Rolltreppe. Ziel von Dr. Michael Strohmann (46), Mike Kumpe (48) und Maik Geroff (35) vom Extrem-Sportverein "Friends for Life": Auf der Rolltreppe die Höhe des Mount Everest zu erklimmen.
17 Stunden hatten die Extremsportler für ihren Weg eingeplant. Denn der gewaltigste Berg der Welt ist höher als 8800 Meter. Der finanzielle Erlös des Spektakels ist für SOS-Kinderdörfer im Gebiet der Flutkatastrophe in Südostasien gedacht.
Um 0.01 Uhr am Sonntagmorgen gingen die drei Sportler an den Start. Einige Nachtschwärmer hatten sich eingefunden. Sie klatschten Beifall, als Strohmann, Kumpe und Geroff in lockerem Trab die ersten Stufen stiegen. Über eine Induktionsschleife wurde jede Runde gezählt. Wenig später waren die Sportler unter sich liefen Meter um Meter in Richtung "Berggipfel".
"Die Männer sind gut in Form", versichert Reinhard Oys, Mitglied bei "Friends for Life". "Sie haben sich lange vorbereitet." Die Triathleten absolvierten ihre Vorbereitungen im Harz, standen Fünf-Stunden-Läufe durch, liefen einige Marathon.
Gern wären die "Bergsteiger" an einem Werktag publikumswirksam auf die Rolltreppe gegangen. "Das war leider nicht möglich", bedauert City Point-Managerin Tanja Lewin. "Während der Geschäftszeit können die Rolltreppe nicht sperren. Der Sonntag war der einzig mögliche Tag dafür."
Am oberen Ende der Rolltreppe stand während der gesamten Zeit Reinhard Oys. Er hielt kräftigende Getränke und allerlei Snacks bereit. "Die Sportler müssen ständig Kohlenhydrate zu sich nehmen", erläutert der Fachmann. "Kommt es zum spürbaren Kräfteverlust, kann der Mann aufgeben. Ihm ist es dann nicht mehr möglich, den Verlust auszugleichen."
Um die Mittagszeit zeigten die Sportler Spuren von Ermüdung. Die körperliche Strapaze bei fehlendem Schlaf machte sich bemerkbar. "Irgendwann tut alles am Körper weh", berichtet Reinhard Oys aus Erfahrung. "Die innere Einstellung des Sportlers entscheidet dann über Aufgeben oder Weitermachen."
Der City Point sorgte für ein tolles Rahmenprogramm: Parallel zu den Bergsteigern seilten sich immer wieder Mitglieder des MTV Schladen von der 20 Meter hohen Dachkuppel des City Point ab.
Als Besucher dabei waren Eintracht-Fußballer, Mitglieder der Eintracht-Fußballmeistermannschaft von 1967, Spieler des Lions-Teams. Die Hockey-Golddamen Anke Kühn und Nadine Ernsting-Krienke saßen während der Talkrunde am Freitag auf dem Podium.
Die Sportler schrieben Autogramme, die Percussion-Band Fellhauer sorgte für Stimmung, der Autor Torsten Stelzer las aus seinen Texten.
Plötzlich machte Maik Kumpe Pause. Sein rechtes Knie bereitete Probleme, Schmerzen machten jeden Schritt zur Qual. Ein Arzt gab eine Spritze. Der 48-Jährige trabte weiter. Inzwischen hatte er mehr als 100 Runden auf Strohmann und Geroff verloren. Dennoch erreichte auch Kumpe seinen "Gipfel".













