Der Tag, an dem auch Malcolm Bunge Papst wurde
Seine spontane Reaktion auf seiner Website und das ungeheure Echo darauf Auch "Spiegel online" berichtete über den Braunschweiger
"Wir sind Papst!" Als der Braunschweiger Mediengestalter Malcolm Bunge diese "Bild"-Schlagzeile las, hat er dieses Wir-Gefühl, um es mal milde zu formulieren, nicht in allen Facetten teilen können. Wir, ich, alle Papst?
Bunge war jedenfalls von den Socken, reagierte im impulsivsten Sinn reizbar. Dass eine "Bild"-Schlagzeile eine solche Reaktion bei ihm hervorrufen könnte, hat bei allem Ärger über das Papst-Blatt "Bild" Anerkennung bei ihm hervorgerufen.
Malcolm Bunge, der leidenschaftliche Internetsurfer, startete über sein Weblog (siehe Stichwort) eine Fotoaktion. Er selbst malte sich "Wir sind Papst" auf den Bauch, fotografierte seine so veredelte körperliche Mitte und stellte das Motiv unverzüglich ins Netz.
Eine Bauchentscheidung, die ein ungeheures Echo hatte. Bunge, der 26-Jährige, erhielt in den ersten beiden Tagen über 100 E-Mails, darunter alle möglichen Fotos mit der Schlagzeile "Wir sind Papst!". Sein Blog "Eye said it before" stürzte mehrfach ab und musste von Bunge mühsam aufgepäppelt werden. Dieser, von dieser Mail-Flutwelle förmlich hinweggeschwemmt, empfand aber gleichzeitig tiefe Befriedigung über die Anteilnahme so vieler Seelenverwandter via Internet. "Bild" als Vatikan-Ableger das inspirierte die enthusiasmierten Blogger halt ungeheuer.
Bunge, der gebürtige Paderborner, im Kommunikationsstrudel. "Spiegel online" berichtete, ja ließ Bunge absatzweise im Originalton zu Wort kommen. Als wir uns mit Bunge treffen, flackert der bild-schöne kommunikative Buschbrand immer noch, was bei Bunge freilich den heftigen Wunsch auslöst, dass die seine Website verstopfende Woge an E-Mails doch bald abebben möge.
Bunge ein Internet-Satiriker, dem nichts heilig ist, nicht mal der Pontifex maximus? Bei unserem Gespräch macht er einen geradezu wohlanständigen Eindruck. Sein Verhalten würde jede Schwiegermutter begeistern mit der Einschränkung, dass nicht alle Schwiegermütter Schirmmützen mögen. Auf seinem Weblog freilich agiert Bunge, dieser Spontifex maximus, bissig und gefühlsbetont.
Hatte er nach seiner Blog-Breitseite Kontakt zur Bildzeitung? Das Boulevardblatt reagierte nicht. Es war möglicherweise zu berauscht von der weltweiten Resonanz auf seine Schlagzeile. Dieser Stolz floss in einen zweiten Artikel ein: "Eine Schlagzeile wird Kult". "Bild" freute sich über viele bildnerische Bocksprünge: "Wir als Papst!" als Flammenschrift auf einem Toastbrot, sich im Auge einer Frau spiegelnd und als Sprühzeile an einer Autobahnbrücke. Clou: die Papst-Schlagzeile als Buchstabensuppe.
Auf der Suche nach einem passenden Zitat wurden die Bild-Leute schließlich bei Oscar Wilde (bei wem sonst?) fündig: "Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung."
Und Bunge? Er möchte erst mal Ruhe haben. Auch vor dem Papst.













