Der stete Kampf gegen fremde Pfunde
Am Arbeitsplatz von Stephanie Weikert: Fitness-Trainerin hilft übergewichtigen Kindern
Wie funktioniert eigentlich Braunschweig? Dadurch, dass Menschen einen guten Job machen. Ab sofort stellen wir immer dienstags Braunschweiger an ihrem Arbeitsplatz vor. Den Auftakt macht heute die Fitness-Trainerin Stephanie Weikert, die Kindern beim Abnehmen hilft.
Als im Januar der erste Kursus an den Start ging, da hatte sie die Ziele noch tief gesteckt. "Wenn nur ein Kind Gewicht verliert, das wäre schon ein Erfolg gewesen", erzählt die 25-Jährige. Erfahrungen gab es schließlich keine. "Kinder mit Übergewicht sind bislang keine Zielgruppe für Sportvereine. Und der Sport in der Schule gibt auch keine Antworten darauf, wie einem 14-Jährigen geholfen werden könnte, der 105 Kilo wiegt. Mit Reckturnen sicher nicht."
Einzelfälle? "Jedes dritte deutsche Kind hat Übergewicht. Wir haben bald amerikanische Zustände." Dass dies keine Übertreibung sei, das merke jeder, "der mit offenen Augen durch die Stadt geht. Es gibt unglaublich viele dicke Kinder." Nur ganz langsam werde man sich der Problematik bewusst, erzählt sie. Bei Europas größter Fitness-Messe in Essen hat sie vergangenen Monat festgestellt: "Es bewegt sich langsam etwas. Die ersten Kinder-Fitness-Geräte und gesunde Kinderriegel kommen auf den Markt. Doch überzeugende Konzepte, Kindern das Abnehmen zu erleichtern, die gibt es noch nicht. Es wird viel experimentiert."
Ihr Konzept basiert auf zweierlei: Bewegen und Lesen. Bewegen, das heißt Stoffwechsel-Aktivierung: Tanzen zu Video-Clips, Aerobic und Aerobic in Verbindung mit Boxen Thai-Do genannt dreimal die Woche je eine Stunde.
Lesen, "das heißt, die Aufdrucke auf Lebensmitteln lesen. In der Ernährungsberatung lernen die Kinder zunächst, was Kalorien sind und wo der Unterschied zwischen Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten liegt." Über Ernährungspläne kontrolliert sie die Veränderung der Ess-Gewohnheiten. "Eine Diät würde nichts nützen. Der Jojo-Effekt macht alles zunichte."
Der Erfolg kann sich sehen lassen: Die 16 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, die im Januar noch alle mehr als 100 Kilo auf die Waage brachten, haben zwischen 5 und 10 Kilo verloren "und durch die häufige Bewegung gleichzeitig Fett durch Muskeln ersetzt".
Die größten Fortschritte seien indes bei der Koordinationsfähigkeit erzielt worden: "Die Kinder können jetzt auch rückwärts laufen." Doch ihr größter Erfolg sei, sagt die junge Frau, "dass bislang kein einziges Kind aufgegeben hat. Es sind immer noch 16."













