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09. Februar 2012
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Die Schwingungen der Mathematik

Dank Prof. Dr. Thomas Sonar ist die "Mathe-Lok" an der TU Braunschweig voll unter Dampf

Von Harald Duin

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Gerade kommt Prof. Dr. Thomas Sonar aus Würzburg, hat dort in freier Rede einen Vortrag über den berühmtesten Braunschweiger gehalten: Über Carl Friedrich Gauß. Thema: "Gauß und die Numerik". Und jetzt sitzen wir Sonar gegenüber und pflügen etwas unkoordiniert durch die Welt der Mathematik.

Wer immer denkt, Mathematiker seien durchgeistigte, leicht unterernährte, dem prallen Leben abholde Wesen, wird sich angesichts dieses Mannes korrigieren müssen. Sonar ist präsent, anregend, voller Geschichten – eine forschende Existenz, ehrgeizig genug, sich das vorzuknöpfen, was andere lieber liegen lassen.

Bei Sonar hat die Mathematik mit Menschen zu tun. Wir sind, nicht wahr, umgeben von Beispielen für Ordnung, Zufall, Wahrscheinlichkeiten, Annäherungen. Einem Handy, einer Waschmaschine kann man sich auch mathematisch nähern. Um unsere E-Mails vor ungebetenen Lesern zu schützen, müssen wir probate Verschlüsselungssysteme installieren.

Fulminant seine Antrittsvorlesung 1999 an der TU Braunschweig. Thema: "Von Seeräubern, Weinfässern und unüberwindlichen Differenzen – zur Geschichte der Differenzenrechnung".

John Napier, wenn wir uns recht erinnern, kam bei diesem Vortrag auch vor – der Mann, der 1614 ein Buch über den Logarithmus schrieb, der zur Freude späterer Schülergenerationen den Rechenschieber erfand.

Mit diesem Rechenschieber ließe sich aber keineswegs das berechnen, was Sonar interessiert. Er untersucht schon seit Jahren komplexe Probleme wie die Umströmung von Flugzeugen oder die Sickerprozesse im Boden. Sonar und seine Mitarbeiter erforschen mathematische Grundlagen der Numerischen Strömungsmechanik.

In Kooperation mit Volkswagen Braunschweig entwickelt Sonar Verfahren, die noch während der Berechnung einer Strömung die Geometrie so verändern, dass die Strömung möglichst verlustarm wird. Sonar: "Durch gute Formgebung kann man nämlich eine optimale Belüftung eines Kfz mit minimalem Lüftereinsatz erreichen."

Ein weiteres Forschungsprojekt: die Mathematik von Navigationssystemen. Da kooperiert Sonar mit Bosch/Blaupunkt Hildesheim: "In studentischen Arbeitsgruppen arbeiten wir an effizienten Algorithmen zur Navigation in digitalen Karten." Autofahrer werden von diesem Fortschritt profitieren.

Mit all dem wäre normalerweise ein Professor ausgelastet. Aber Sonar hat noch Energien, Mathematiklehrer auszubilden. Das ganze steht als Fortbildungszentrum "Mathe-Lok" an der TU schon voll unter Dampf. Da können auch Schüler aufspringen. Sonar: "Der Wohlstand unseres Landes wird nicht von Geisteswissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften gesichert, sondern von Ingenieur- und Naturwissenschaften."

Sonar bleibt Braunschweig erhalten. 2003 lehnte er übrigens einen Ruf nach Kaiserslautern ab.

Dienstag, 21.06.2005
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/4215707/menuid/2048
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