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12. Februar 2012
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"Eichtaler" als lokaler Rubel

Verrechnungseinheit für Dienstleistungen und gebrauchte Güter

Von Harald Duin

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Der "Eichtaler" – der kleine Bruder des Euros im Norden des westlichen Ringgebiets. Eine Währung aus der Ideenkiste des Fördervereins Westliches Ringgebiet. Inzwischen wurde der Eichtaler Tauschring gegründet.

Da darf sich der Unkundige erst einmal verwundert die Augen reiben. Wozu den "Eichtaler", wenn wir doch alles mit dem Euro bezahlen können? Ein Ziel ist es, für diesen Stadtteil (und ein bisschen darüber hinaus) einen geschlossenen Wirtschaftskreislauf zu schaffen, das Wir-Gefühl im Quartier zu stärken.

Der "Eichtaler" ist eine Zeitwährung. Eine Minute Arbeit wird mit einem "Eichtaler" verrechnet. Bei gebrauchten Gütern ist es Verhandlungssache, wie viele "Eichtaler" herzugeben sind.

Als neulich Hartmut Kampmann, einer der Initiatoren des Tauschrings, bei Martina Bendler, Goslarsche Straße, in einer Stunde die Klingel reparierte, war dies also 60 "Eichtaler" wert. Diese Summe könnte Martina Bendler bei einem anderen Tauschgeschäft verrechnen lassen – Gutschriften und Lastschriften werden von der Tauschringverwaltung registriert.

Inzwischen hat der Eichtaler Tauschring sich Spielregeln gegeben. Die Tauschkonten können von jedem Mitglied des Tauschrings eingesehen werden. Ferner: Die verbuchten Werte stellen moralische Guthaben und Verpflichtungen dar. Sie sind ein Versprechen auf Gegenleistung und können nicht in klingender Münze eingefordert werden. Die Leistungen dürfen den Rahmen der Nachbarschaftshilfe nicht übersteigen.

Die lokale Zeitwährung erleichtert den Tausch unterschiedlicher Dienstleistungen: Rasenmähen, Babysitting, Einkaufen, bei Behördenkram helfen – der "Eichtaler" eröffnet viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu nützen. Zum Beispiel: Monika bereitet ein Essen für zehn Personen bei Erwin vor, benötigt drei Stunden und erhält dafür 180 "Eichtaler". Die von Monika eingekauften Lebensmittel werden von Erwin ganz normal in Euro erstattet.

Inzwischen rollt der Regional-Rubel überall in Deutschland. Den Anfang machte 2002 der Bremer "Roland". Dann folgten der "Chiemgauer" um Prien und Traunstein, der "Justus" in Gießen, "Kann was" in Bad Oldesloe und "Sterntaler" im Berchtesgadener Land. Die Banker sind über diese Entwicklung nicht sonderlich begeistert.

Noch wissen viele gar nicht, dass es den "Eichtaler" gibt. Am Ende des Jahres, sind sich die Initiatoren sicher, wird es in diesem Quartier dank des "Eichtalers" zu einem munteren Geben und Nehmen kommen. So lernt man sich kennen. Bindungen als Netz der gegenseitigen Beachtung.

Dienstag, 11.10.2005
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/4617234/menuid/2048
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