Der Mann, der eine Million Sekunden verkauft
Jens Bierkandt sammelt weltweit kurz Tonaufnahmen und stellt sie als digitale Z"Audio-Zeitkapsel ins Netz
Jens Bierkandt: Der Mann, der vor einigen Tagen im Internet begonnen hat, eine Million Sekunden zu verkaufen. Eine Sekunde für einen Dollar. Der Braunschweiger Musiker und Web-Designer veräußert leere Zeit-Päckchen, in die andere Töne und Geräusche packen und ins Netz stellen. Bierkandt nennt sein Projekt "Audio-Zeitkapsel".
Die Idee ist, Momentaufnahmen der verschiedenen Zivilisationen für die nächste Generation zu erhalten. Aufnahmen, die auch völlig banalen Inhalts sein können, wie jenes Tondokument aus Deutschland, auf der Gesang und Gelächter einer feuchtfröhlichen Verlobungsfeier zu vernehmen sind.
Bierkandts Projekt ist global angelegt. Seine Website sendet inzwischen alle hochgeladenen Dateien rund um die Uhr per Internetradio ins Netz. Der Besucheransturm auf seine Webseite ist enorm. Es sind Tausende, die sich weltweit von dieser Hör-Galerie inspirieren lassen. Sogar in China wird seine Idee kommentiert. Bierkandt kann leider kein einziges chinesisches Schriftzeichen lesen.
Warum fasziniert die audiovisuelle Webseite? Da kann man nur raten. Die Aussicht, an dieser weltumspannenden virtuellen Vitrine der Tonschnipsel mitzuwirken, hat offensichtlich für viele Charme. Spontan Gesprochenes erhält so quasi den Status eines Exponats.
Bierkandt richtet sich nicht nur an Privatpersonen, die sich im Internet verewigen möchten, sondern bietet auch Firmen Möglichkeiten, Informationen zu platzieren. Für jede 100 Sekunden bekommt man 100 Pixel, die mit der Webseite des Käufers verlinkt werden.
Der Sekunden-Händler garantiert erst einmal eine Dauer des Zeitkapsel-Projekts für fünf Jahre. Vielleicht, schließt er nicht aus, werde daraus ein enzyklopädisches Langzeitprojekt, dessen Tonproben auch Soziologen und Sprachwissenschaftler interessieren. Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Und die Frage ist ja, ob die BZ in ein paar Monaten noch mal vorbeikommen muss, um einem frischgebackenen Dollarmillionär zu gratulieren. Was würde Bierkandt in einem solchen Glücksfalle machen? "Ich habe eine Menge weiterer Geschäftsideen, in die ich gerne investieren möchte." Durch Geschäfte per Internet reich zu werden, ist der moderne Goldgräbertraum. Mit einer ähnlichen Idee ist ein gewisser Alex Tew aus Cricklade in England Dollar-Millionär geworden. Der Student, scheinbar ausweglos unterfinanziert, verkaufte auf seiner Website jeweils eine Million Pixel zu einem Dollar. Diese Pixelzahl reicht für eine kleine Anzeige. Die Website hat 1,2 Millionen Besucher pro Tag. Alex Tew hat sich von dem Geld ein kleines Auto und schöne Socken gekauft.
Was Jens Bierkandt angeht: Der 33-Jährige begibt sich mit seiner "Zeit-Kapsel" auf eine Reise ins Ungewisse. Und irgendwann auch in die Galaxis. Die Sendesignale sind als lebendige Protokolle irdischen Einerleis für intelligente Wesen auf fernen Planeten bestimmt. Aber da werden wir auf Rückmeldungen wohl noch etwas warten müssen.
http://www.millionensecondshomepage.com.













