Im 15. Bericht Abrechnung mit NS-System
Erinnerungen des Zuckerfabrikanten Paul Gerloff im Band 3 "Braunschweig im Bombenkrieg"
Das Friedenszentrum Braunschweig stellte gestern in der Gedenkstätte Schillstraße seinen frisch gedruckten Band 3 "Braunschweig im Bombenkrieg" vor. Er enthält 15 Berichte des Zuckerfabrikanten Paul Gerloff und weitere Dokumente von Zeitzeuginnen, darunter den Brief von Elfriede Beutler geb. Brasche an ihren Vater, den Oberstabsarzt Dr. Paul Brasche.
In ihren Anmerkungen zur Person Paul Gerloffs schreiben Frieder Schöbel und Manfred Fritz: "Was ihnen (Gerloffs Protokollen) Bedeutung gibt, ist die eigentümliche Perspektive, aus der heraus sie geschrieben wurden. Hier tritt uns nicht der engagierte Widerstandskämpfer entgegen, nicht der zwischen Befehl und Gehorsam zerriebene Frontsoldat, aber auch nicht der allem wirklichen Leben schon ferne, in Rassenhass und Führerverehrung aufgegangene Parteimensch." Aber auch Gerloff sei dem damals üblichen Schicksals-und Volksgemeinschaftsdenken verhaftet gewesen und erst spät zu einer Abrechnung mit dem NS-System gelangt.
Paul Gerloff war kein Mitglied der NSDAP. Er soll Mitglied einer Freimaurerloge gewesen sein, denen der Eintritt in die NSDAP versagt war. Die Logen selbst waren verboten.
Angesichts der verheerenden Bombenschäden im August 1944 schrieb Gerloff: "Wir treten in die Endphase des Krieges ein; sie zu meistern ist die letzte und größte Aufgabe, die jemals dem deutschen Volke gestellt ist. Wenn unbeugsamer Wille zum Widerstand sich mit dem erwarteten Erfolge der dicht vor dem Einsatz stehenden neuen überlegenen Waffen paart, muß der Sieg unser werden."
Nach dem Einmarsch der Amerikaner, nach Beendigung des Krieges, rechnete Gerloff im 15. und letzten Bericht auf mehreren Seiten mit dem Naziregime ab: "Es stellt das traurigste Kapitel dar, das wohl jemals ein Volk seiner Geschichte einzuverleiben gezwungen wurde."
Gerloff bezeichnete jene Offiziere, die am 20. Juli 1944 das erfolglose Bombenattentat auf Hitler verübten, als "Helden, die ihr Vaterland über alles liebten."
Diese Abrechnung halten Frieder Schöbel und Manfred Fritz für bemerkenswert: "So manch anderer hat dies jahrzehntelang nicht fertig gebracht."













