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16. März 2010
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Mit Alkohol war’s ein Exportschlager

Im Mittelalter wegen der Haltbarkeit beliebt bei Seefahrern – Heute nur noch 30 000 Dosen pro Jahr

Von Ann Claire Richter

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Stärkungsmittel für stillende Mütter und schwächliche Kinder, zu verordnen bei Unterernährung, Blutarmut, Nervosität, Lungenleiden und Erkrankungen der Atemwege: In alten Werbeanzeigen der Brauerei Nettelbeck wird die malzige Mumme als flüssiges Brot mit bärenstarken Nährwerten gepriesen.

"Ohne Mumme wäre Christoph Columbus niemals in Amerika angekommen", meint Christian Basilius von der Nettelbeck KG schelmisch. Bis heute habe schließlich niemand den Gegenbeweis antreten können, dass der berühmte Seefahrer sich für seine Entdeckungstour nicht mit reichlich Braunschweiger Mumme eingedeckt habe.

Auch wenn sich um die Mumme viele Mythen und Legenden ranken, die längst widerlegt sind, könnte es immerhin sein. Denn die Mumme wurde 1390 erstmals urkundlich erwähnt; die Brauerei Nettelbeck selbst reicht bis ins Jahr 1492 zurück.

Im Mittelalter avancierte der Trunk zum Exportschlager Braunschweigs: Dank ihres hohen Alkohol- und Zuckergehalts war die Mumme eines der wenigen Nahrungsmittel, das auch über längere Zeit genießbar blieb und damit lange Reisen überstand. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe war sie bei Seefahrern beliebter Proviant. Zwar soll die Konsistenz damals eher Öl als Bier geähnelt haben, doch selbst in die Tropen wurde fleißig exportiert.

Über Jahrhunderte sorgten etliche Brauereien für Nachschub; heute produziert nur noch die Nettelbeck KG in Stöckheim. Einst in Flaschen abgefüllt, kommen inzwischen nur noch Dosen in den Handel. 30 000 pro Jahr. "Das füllt Wolters in nicht mal einer Stunde ab", meint Basilius lachend.

Auch in die Tropen wird nicht mehr im großen Stil geliefert. Die Kunden sitzen fast ausschließlich in Braunschweig. Ab und an nur geht ein Päckchen in die Welt, geordert von Ex-Braunschweigern, die heimatliche Genüsse schätzen. "Den Weltruhm hat das Produkt leider noch nicht wiedererlangt", räumt Basilius ein.

Für den Niedergang des Exportschlagers werden unter anderem zahlreiche schlechte Mumme-Kopien anderer Städte und Länder beigetragen haben. Doch auch die im 18. Jahrhundert getroffene Entscheidung, aus dem einstigen Starkbier ein alkoholfreies Malzgetränk zu machen, mag Liebhaber verschreckt haben. Wer damals diese Entscheidung traf und warum, liegt indes im Dunkeln. In der Mitte des 18. Jahrhunderts findet man in den Adressbüchern Braunschweigs unter 10 Brauereien nur noch zwei, die Mumme brauen: die alte und angesehene Brauerei Nettelbeck im Fachwerkhaus Hinter den Brüdern 18 und und die Firma Franz Steger, die ihre Produktion 1954 ganz einstellte. Im Kriegsjahr 1944 wurde das Nettelbeck-Gebäude durch Bomben vollkommen zerstört. Das Unternehmen nahm die Fertigung jedoch 1949 in Braunschweig-Melverode 118 (heutige Bezeichnung: Leipziger Straße 184 in Stöckheim) wieder auf. Der Braunschweiger Lotterie-Einnehmer Leo Basilius übernahm schließlich das Rezept von den Geschwistern Nettelbeck. Bis heute wird die Braunschweiger Mumme von der Familie Basilius (mit Christian Basilius mittlerweile in der 3. Generation) abgefüllt und vertrieben. Gebraut allerdings wird inzwischen in Mühlheim/Ruhr.

Pur getrunken wird Mumme aufgrund ihrer Süße und Zähflüssigkeit nur von Hartgesottenen: Heute wird sie meist als Zusatz für Speisen und Getränke verwendet, zur Verfeinerung von Soßen, Kuchen, Keksen und inzwischen auch von Käse.

Freitag, 20.10.2006
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/6001441/menuid/2048
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