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09. Februar 2010
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Abschied vom Alltagsgeschäft

David Taylor ist seit 50 Jahren Pressefotograf – Aus dem Ruhestand wird er Reportage- und Vogelbilder liefern

Von Bettina Habermann

"Gibt’s Sie auch noch?", fragt Altkanzler Gerhard Schröder, als er zu Beginn seiner Signierstunde bei Graff David Taylor sieht. Der antwortet trocken: "Ja, aber nicht mehr lange." Jetzt, zwei Wochen später, ist für David Taylor tatsächlich Schluss. Er geht in Ruhestand.

Als wir uns für diesen Artikel zum Gespräch treffen, kann BZ-Fotograf Taylor noch nicht richtig einordnen, dass er künftig Ruheständler sein wird. Schließlich ist er seit 50 Jahren Pressefotograf. Und jetzt soll Feierabend sein? Dennoch sagt er: "Das hektische Alltagsgeschäft, das werde ich nicht vermissen, das brauche ich nicht mehr."

Haben Redakteure unserer Zeitung wieder einmal fünf Fototermine gleichzeitig für 11 Uhr eingetragen, wird David Taylor das in Zukunft nicht mehr interessieren. Auch nicht die vielen anderen Termine vom Gemeinschaftshaus Weststadt bis zur Stadthalle, vom SV Süd bis zum Stadion an der Hamburger Straße. Künftig mehr Zeit zu haben, darauf freut sich der gebürtige Engländer. Mehr Zeit für gute Reportagefotos, mehr Zeit für sein Hobby, die Ornithologie, mehr Zeit aber vor allem für seine Frau Claudia und seine Tochter Helen.

Wer jemals mit David Taylor, der am Dienstag 65 Jahre alt wird, durch die Stadt gegangen ist, weiß: Diesen manchmal bärbeißig wirkenden Kerl mit dem grauen Bart und dem sprichwörtlichen englischen Humor, der brüllen kann wie ein Löwe, kennt in Braunschweig (fast) jeder. Wie kein anderer verkörpert er unsere Zeitung, hat mehr Termine besucht als jeder andere. 60 000 Bilder sollen es sein, die der Fotograf seit 1975 für die Braunschweiger Zeitung gemacht hat – zunächst in der Lokalausgabe Wolfsburg und seit 1983 als Nachfolger von Helmuth Wesemann in Braunschweig.

Wie unbefangen und fröhlich-freundlich David Taylor auf Menschen zugeht, spiegelt sich immer auch in seinen Bilder wider. Beispiel: Anfang der 90er bekommt die Redaktion den Tipp, dass Bundespräsident von Weizsäcker auf dem Flughafen in Waggum zwischenlandet. David Taylor fährt raus, geht aufs Rollfeld. Weit und breit kein Offizieller, nur er. Weizsäcker steigt aus dem Flugzeug, Taylor stellt sich vor, sagt "Willkommen in Braunschweig".

Als der Bundespräsident sich seinerseits vorstellt, antwortet Taylor keck: "Sag bloß!" und drückt auf den Auslöser seiner Kamera. Tagsdrauf treffen sich die beiden bei einer internationalen Konferenz in Wolfsburg wieder. Von Weizsäcker geht schnurstracks auf den Fotografen zu, begrüßt ihn mit Handschlag und meint: "Schönes Foto!"

Geschichten wie diese kann David am laufenden Band erzählen. Hier noch die: Winston Churchill kam nach Farnham, um seine Tochter Sarah, eine Schauspielerin, auf der Bühne zu sehen. Auch Taylor, der für den "Farnham Herald" in seiner Geburtsstadt arbeitete, war da, rief dem Premier ein freundliches "Hello" zu. Churchill grüßte zurück, hob seine Zigarre, blickte in die Kamera, und Taylor drückte ab.

Gibt es für ihn ein perfektes Bild? "Die Sonnenfinsternis 1999", antwortet Taylor, ohne zu überlegen. Er hatte Urlaub, im heimischen Garten sein Stativ aufgebaut und die Kamera mit dem alten Novoflex-Objektiv und Rastblende bestückt. Als er plötzlich dieses einzigartige Brummen der Motoren hörte, löste er die Kamera aus. Sein perfektes Bild war im Kasten: "Tante Ju", die vor der verdunkelten Sonne vorbeiflog. "Das war eine Mischung aus Glück und Können", sagt der Fotograf.

Seine erste Kamera bekam David Taylor übrigens als Elfjähriger von einem Nachbarn geschenkt. Es war eine Rollei 6 x 6. "Damals habe ich das erste Mal von Braunschweig gehört", erzählt er. Fasziniert von der Schönheit der Bilder, die sich damit machen ließen, richtete er sich ein kleines Labor ein. Mit 15 begann er eine Fotografenlehre beim "Farnham Herald". Er wechselte zu einer Agentur nach London, fuhr als Bordfotograf zur See, lebte in den USA, kehrte zurück und landete in Wolfsburg und Braunschweig.

Hier hat er nicht nur seine Familie und seine Freunde, sondern auch viele Fans. Und die freuen sich auf viele neue David-Taylor-Fotos.

Samstag, 16.12.2006
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/6201341/menuid/2048
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