Im Dienste des berühmtesten Geheimagenten
Gerade erschienen: Danny Morgensterns James-Bond-Lexikon Verlag spricht vom weltweit umfangreichsten 007-Nachschlagewerk
James Bond mag keine femininen Dinge um sich herum. Also sind ihm auch Blumen verhasst. Wenn 007 im Krankenhaus seine Wunden kuriert nach erfolgreicher Heldentat, reicht er geschenkte Sträuße gern an andere Patienten weiter.
Wenn Bond Albträume hat, dann schwitzt und stöhnt er im Schlaf. Er träumt oft von Tintenfischen und Stachelrochen, Spinnen und Schlangen.
007: ein Geheimagent ohne Geheimnisse, ein Spion so durchsichtig wie Panzerglas. In 43 Romanen und 24 Filmen haben etliche Autoren und Regisseure eine der schillerndsten fiktiven Figuren der Zeitgeschichte entworfen und weiterentwickelt. Bond hat Gesicht und Geschichte, Macken und ganz eigene Methoden. Jedes Kind weiß inzwischen, dass 007 seinen Wodka-Martini geschüttelt, nicht gerührt bevorzugt.
Der Braunschweiger Danny Morgenstern hat James Bond sechs Jahre seines Lebens geschenkt. Sechs Jahre, in denen er sich alles einverleibt hat, was ihm von 007 vor die Flinte kam. Eine Fleißarbeit, für die der 27-Jährige nun einen sichtbaren Lohn ernten darf: Gerade ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf sein zweibändiges Bond-Lexikon erschienen das weltweit umfangreichste 007-Nachschlagewerk, wie der Verlag stolz anmerkt.
Auf 1728 Seiten darf der Bond-Fan alphabetisch stöbern: Dort steht das Wichtigste über sämtliche Romane, über alle Autoren von Ian Fleming bis Charlie Higson, sind alle Schauplätze verzeichnet, alle Darsteller beschrieben und alle Bond-Girls, sind alle Schurken registriert und alle Gefährte, alle Waffen, alle Stuntmen, alle Regisseure, alle Lieder, alle Spiele, alle Gefahren, alle Kämpfe, alle Sportarten, alle Getränke, alle Küsse und Kündigungen, alle Kennzeichen, alle Abkürzungen, alle Tricks und die schönsten Zitate. Wie das aus einem Gespräch zwischen "M" und Sir James Molony in dem Roman "Du lebst nur zweimal", als Bond in eine neue Mission geschickt werden soll: "Tod oder Ruhm lassen einen Mann seine Sorgen vergessen." Und weil das Lexikon so ausladend ist, heißt das Werk auch "James Bond XXL".
Eigentlich habe er das Buch für sich selbst geschrieben, erklärt Morgenstern, " und zum Angeben", setzt er breit grinsend nach. Er hat den Doppelband seiner Freundin Janine gewidmet, die er über die Jahre stark vernachlässigt habe. Doch Janine hielt tapfer zu ihm, überraschte Morgenstern sogar mit einem Stapel Pornofilme zum Thema Bond. So darf auch die Sichtung von "00Sex" mit Kelly Trump als Jane Blond als Recherche gewertet werden.
Anfang 2000 hatte Morgenstern sein Bond-Projekt dem Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf angeboten. 500 Seiten waren geplant. Geschätzte Dauer bis zur Fertigstellung: ein Jahr. Der Verlag willigte ein. "Doch dann lief die Sache völlig aus dem Ruder", berichtet Morgenstern. Da das Buch derart auszuufern drohte und längst nicht mehr als Taschenbuch in einem Band gebunden werden konnte, wurde der Veröffentlichungstermin immer wieder verschoben. "Auch, weil wir nicht auf den neuen Bond Daniel Craig verzichten wollten."
Morgenstern hat rund 200 Bond-Bücher im Schrank stehen und selbstredend alle Filme archiviert. Er hat etliche Plakate gesammelt und unzählige Fotos.
Was fasziniert ihn so an der Figur? "Als ich meinen ersten Film sah, war ich gepackt von der Spannung, den Effekten und den überraschenden Wendungen. Bond ist elegant und unantastbar, menschlich, aber immer Herr der Lage. Er kann alles, beherrscht fast jede Sportart und sieht dabei immer aus wie aus dem Ei gepellt", erklärt der 27-Jährige. Mit einem Bond-Darsteller hat er schon gesprochen: Pierce Brosnan, 1999 bei einer Pressekonferenz zu "Die Welt ist nicht genug". Doch die Begegnung war enttäuschend: "Ich hatte das Gefühl, er war nur am Marketing interessiert und sein Herz hängt nicht wirklich an der Sache." Ganz anders "Q"-Darsteller Desmond Llewelyn, der 17-mal in Bond-Filmen den Erfinder gab. "Der hat sich Zeit genommen zum Interview, war aufgeschlossen und sehr, sehr nett."
Ein üppiges Kapitel widmet Morgenstern in seinem Lexikon den Fehlern in den Filmen. Auf satten zehn Seiten deckt er Unachtsamkeiten, falsche Anschlüsse, Durcheinander bei der Ausstattung und logische Pannen auf. Da heißt es etwa: "Bei 007 fließt nicht nur gewohnheitsmäßig wenig Blut, es verschwindet auch dann und wann. Nach dem Kampf mit Red Grant im Orient-Express in ,Liebesgrüße aus Moskau ist der eine Handrücken des Agenten mit Blut beschmiert, in der nächsten Szene ist es verschwunden." Schön auch eine merkwürdige Metamorphose in "Feuerball": aus weißen Rosen in einer Vase werden nach einem Einstellungswechsel rosa Tulpen.
"Eigentlich bietet Bond Stoff für sechs Bände", sinniert Morgenstern. "Aber das wäre eine Lebensaufgabe", winkt er schmunzelnd ab. So will er dem Verlag nun lieber einen Roman anbieten, den er bereits 1999 geschrieben hat. "Die hätten doch niemals einen unbekannten Romanautor verlegt. Erst jetzt mit dem Erfolg des Lexikons im Rücken traue ich mich, denen das Buch zu schicken." Der Roman muss nur noch überarbeitet werden. Ein Kinderspiel: Er hat schlappe 100 Seiten.













