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09. September 2010
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Am Start: Kultur und Raumfahrt

Braunschweiger Reihe im bundesweiten Programm zum Jahr der Geisteswissenschaften

Von Henning Noske

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"1. Beim heutigen Stande der Wissenschaft und der Technik ist der Bau von Maschinen möglich, die höher steigen können, als die Erdatmosphäre reicht.

2. Bei weiterer Vervollkommnung vermögen diese Maschinen derartige Geschwindigkeiten zu erreichen, dass sie ... nicht auf die Erdoberfläche zurückfallen müssen und sogar imstande sind, den Anziehungsbereich der Erde zu verlassen.

3. Derartige Maschinen können so gebaut werden, dass Menschen (wahrscheinlich ohne gesundheitlichen Nachteil) mit emporfahren können.

4. Unter gewissen wirtschaftlichen Bedingungen kann sich der Bau solcher Maschinen lohnen. Solche Bedingungen können in einigen Jahrzehnten eintreten."

Hermann Oberth, "Die Rakete zu den Planetenräumen", 1923

Es ist Zufall, dass das Jahr der Geisteswissenschaften 2007 mit der Berufung Braunschweigs zur Stadt der Wissenschaft 2007 zusammenfällt. "Darin liegt eine große Chance", weiß Dr. Marie-Luise Heuser vom Seminar für Philosophie der TU Braunschweig.

Geschichte der Raketen

Und sie erinnert an das von ihr initiierte Naturwissenschaftlich-Philosophische Kolloquium "Kultur und Raumfahrt". Die Veranstaltungsreihe hat jetzt sogar höchste Weihen erhalten, wurde von der Bundesregierung in den offiziellen Kanon zum Jahr der Geisteswissenschaften aufgenommen.

Die Berufung kommt nicht von ungefähr. "Kultur und Raumfahrt – bei diesem spannenden Thema geht es darum, wie Geistes-, Natur- und Ingenieurwissenschaften zusammenfinden", weiß Marie-Luise Heuser.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Raumfahrtpionier Hermann Oberth, Regisseur Fritz Lang und Drehbuch-Autorin Thea von Harbou gilt als eines der Schlüssel-Erlebnisse für dieses Thema.

Ihr entsprang 1929 nicht nur der legendäre Stummfilm "Frau im Mond", der eine wahre Raumfahrt-Euphorie auslöste – sondern auch die Erfindung der Kegeldüse.

Pionier Oberth entwickelte damit den Vorläufer aller modernen Raketen-Triebwerke. Möglichst realistisch hatte zur Premiere des Films als Werbe-Gag eine Rakete in den Himmel steigen sollen.

Dieses ehrgeizige Vorhaben zerschlug sich zwar – doch Oberths Entwicklungen leiteten die Weltraumfahrt ein. Der Weg führte über die Terrorwaffe V2 des Dritten Reiches bis hin zum Apollo-Programm der USA – und damit tatsächlich zu Mond-Missionen.

Der Film "Frau im Mond" hatte auch Wernher von Braun inspiriert – zunächst war er Assistent bei Oberth, dann von 1937 bis 1945 Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom, später Entwickler der amerikanischen Weltraum-Raketen bis hin zur Saturn V für das Apollo-Programm.

Ingenieure und Dichter

Allein an dieser Skizze wird sichtbar, wie spannend das Thema sein kann. Heuser sieht ein bislang unbestelltes Feld der Zusammenarbeit zwischen Ingenieurskunst und kultureller Reflexion. Sie sagt: "Es gibt anthropologische, erkenntnistheoretische, ethische und historische Dimensionen der Raumfahrt, die in Deutschland noch weitgehend undiskutiert sind."

Dienstag, 06.02.2007
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/6381751/menuid/2048
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