Fall El Kurdi spaltet den Braunschweiger Rat
Grüne, Linke, SPD und Bibs fordern Einlenken der Verwaltung Rückendeckung für Hoffmann von CDU und FDP
Der Streit zwischen dem Autor Hartmut El Kurdi und Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) schlägt immer höhere Wellen. Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen etwa will prominente Braunschweiger aufrufen, sich hinter El Kurdi zu stellen.
Die Grünen haben einen Brief verfasst, den sie an 70 Braunschweiger wie etwa TU-Präsident Jürgen Hesselbach und Landesbischof Friedrich Weber schicken wollen. Die Adressaten werden gebeten, "gegen diese skandalöse Maßnahme des Oberbürgermeisters Stellung zu beziehen und Partei zu ergreifen für die Freiheit der Gedanken".
Auslöser des Konflikts war wie berichtet die Weisung des Oberbürgermeisters an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, bei Veranstaltungen mit dem Autor nicht offiziell aufzutreten. Begründung: El Kurdi habe sich mehrfach und kontinuierlich in der Öffentlichkeit diskreditierend, verletzend und unflätig über den Oberbürgermeister geäußert.
"Es geht nicht um mich, sondern darum, wie Hoffmann mit seinen Kritikern umgeht", erklärte El Kurdi gestern gegenüber unserer Zeitung. Der Autor kritisiert Beschränkungen seiner Arbeit durch den Oberbürgermeister. "Früher habe ich viel für die Stadt gearbeitet, habe etwa eigens für sie das Stück "Ohja Troja" geschrieben, jetzt bin ich außen vor."
Rückendeckung bekommt El Kurdi auch von der Linksfraktion. Udo Sommerfeld hat einen Antrag gestellt, in dem der Rat aufgefordert wird, Hoffmanns Dienstanweisung zurückzunehmen.
Das fordert auch die SPD. Ob das im Grundgesetz verbürgte "Recht der persönlichen Ehre" durch Äußerungen des Künstlers verletzt worden sei, müsse gegebenenfalls ein Gericht prüfen, so Klaus Winter.
Die Bibs erklärte: "Der Kritik kann die Person Hoffmann rechtlich begegnen, nicht jedoch mit einer Instrumentalisierung der Verwaltung."
Daniel Kressner (FDP) stärkt Hoffmann dagegen den Rücken: "Satire darf durchaus bösartig sein; aber eine Person, die im Zentrum dieser Satire steht, darf dann auch entscheiden, an diesen Lesungen nicht mehr teil zunehmen." Ähnlich sieht es auch CDU-Fraktions-Chef Wolfgang Sehrt.
Kulturmanagerin Beate Wiedemann meldete sich in der Redaktion und erklärte: "Der Streit ist schade und unnötig. Er ist allerdings schon älter, als man glauben mag. Wir wollten Hartmut El Kurdi für eine Lesung mit seinem Buch ,Angstmän bei unserem Literaturfestival ,seitenweise buchen. Er lehnte mit der Begründung ab, nicht bei einer Veranstaltung auftreten zu wollen, für die Oberbürgermeister Hoffmann ein Grußwort geschrieben habe."
Dazu El Kurdi auf Nachfrage: "Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich lese aber grundsätzlich nicht vor Hunderten Kindern. Ich bevorzuge Schulklassen."













