Erster Einmann-Bunker von der Arndtstraße gerettet
Sieben Tonnen schwerer Stahlbeton-Koloss steht nun bei den Eisenbahnfreunden an der Borsigstraße
Um 10.03 Uhr war es gestern soweit: Nach mehr als 60 Jahren bewegte sich der sieben Tonnen schwere Bunker von der Arndtstraße erstmals wieder. Der Bunker soll als Mahnmal am Ringgleis aufgestellt werden. Seine Rettung war freilich komplizierter als gedacht.
Erst ein Tröpfeln, dann ein Nieseln und schließlich goss es wie aus Kübeln. Der Regen, sagt Jörg Papenfuss, mache ihm nichts aus. "Doch wird der Boden zu weich, bekommt der Laster Probleme." Ein 18-Tonner, der am Tag zuvor noch ein Kontergewicht vor der Motorhaube erhalten hat. 1,5 Tonnen Pflastersteine sollen verhindern, dass beim Anheben des Stahlbeton-Kolosses der Vorderwagen in die Höhe steigt.
Papenfuss, von Haus aus Container-Aufsteller, hatte gleichwohl am Tag zuvor mit einer ähnlich schweren Last geprobt und meint darum: "Keine Angst, das hält. Sieben Tonnen werden mühelos angehoben."
Hoffentlich, sorgt sich Stadtteilheimatpfleger Klaus Hoffmann. Er hatte Anfang des Monats (wir berichteten) die Bunker entdeckt. Was ihn beunruhigt: Ist der Stahlbeton-Koloss mit einem tonnenschweren Fundament verbunden?
Ein ersten Anheben scheitert. Die Gewebegurte, die durch die Sehschlitze gefädelt wurden, reißen und werden durch Stahlseile ersetzt. Eine mühselige Arbeit. Denn weil die Seile sperrig sind und sich nicht durch die Sehschlitze ziehen lassen, muss Christian Fzielinski zu Hammer und Meißel greifen, die Öffnungen zu vergrößern. Zum Glück gibt der alte Beton schnell nach.
Wie Papenfuss ist auch Fzielinski Bunkerfreund. Spontan hatte er sich angeboten, bei der Rettung mitzuhelfen: "Es ist Quatsch, viel Geld für die Zerstörung der Bunker auszugeben, wenn sie doch einem guten Zweck dienen können."
Wenig später dann der zweite Versuch. Ein kurzes Schmatzen des aufgeweichten Bodens nur und dann hebt sich der Bunker. Kein Fundament. Aufatmen.
Auf einem Container tritt der Bunker aufrecht seine Fahrt zum Lokpark an der Borsigstraße an. Gefährlich nah kommen ihm unterwegs die Hängeampeln. Papenfuss wehrt ab: "Da passiert nichts. Das ist schließlich mein Tagwerk."
Im Lokpark macht der Bunker nun Zwischenstation. Er soll aufgearbeitet werden, bevor er seine letzte Reise zum Ringgleis antritt. Dort soll er zum Teil der so genannten Braunschweiger Zeitschiene werden, ein begehbares Museum zur Geschichte der Stadt und zur Geschichte der Eisenbahn.
Doch bis es so weit ist, wird wohl noch mehr als ein Jahr vergehen. Projektleiterin Katja Ortseifen erklärt warum: "Die Bunker werden später als Mahnmal für den 2. Weltkrieg bei Kilometer 3,3 aufgestellt. Doch 1,5 Kilometer der Strecke sind überhaupt erst begehbar."
Darum bleibt noch Zeit, auch den zweiten Bunker zu retten. Zumal der Dauerregen den Boden an der Arndtstraße aufgeweicht und in einen unpassierbaren Morast verwandelt hat.
In der nächsten Woche, so das Wetter mitspielt, soll aber auch der zweite Koloss abtransportiert werden. Seine Türscharniere müssen zuvor aufgeflext und die Sehschlitze aufgestemmt werden. Doch Papenfuss ist optimistisch: "Wir wissen ja jetzt, wie es geht."













