In jedem Song schlägt ein Countryherz
Wie eine Dampflok auf Touren: Tausend Zuschauer freuten sich in Salzgitter über die Band Texas Lightning
Den speckigen Bademantel hat Olli Dittrich gegen ein schmuckes Westernhemd eingetauscht. "Ringofire" nennt er sich an diesem sonnigen Sonntagabend in Salzgitter.
Hier vor dem Schloss Salder drischt im Rahmen des Kultursommers nicht der TV-Thekenphilosoph Dittsche aufs Schlagzeug ein, sondern ein teamfähiger Musiker, der mit seinen Bandkollegen die Leidenschaft für den Sound des amerikanischen Westens teilt.
Die Countryband Texas Lightning war 2006 wie ein Blitz eingeschlagen, als sie mit dem selbst geschriebenen "No No Never" im Vorentscheid zum Eurovision Song Contest Thomas Anders und Vicky Leandros aus dem Rennen warf. Der Mitwipp-Hit stand in den deutschen Single-Charts auf Platz 1, kam beim Finale betrüblicherweise aber nicht über den 15. Platz hinaus.
Jaulen wie ein Präriewolf
Neben Dittrich bietet die Band mit Jon Flemming Olsen ("The Flame") ein weiteres kultiges TV-Gesicht auf: den Imbissbuden-Chef Ingo höchstpersönlich, der Dittsche stets stoisch das Ohr leiht.
Charmanter Blickfang ist Sängerin "Lady" Jane Comerford, die rotblonde Australierin und echte Ranchertochter, die seit 1984 als Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg lehrt.
In Salzgitter geht es munter zur Sache: Mit Robert Palmers "Bad Case of Loving You" wird der Abend definiert. Im Repertoire: beschwingte Gute-Laune-Lieder im Country-Style. Familientauglich und fröhlich. Neben den klaren Arrangements macht vor allem die Instrumentierung den lässigen Sound aus: Westerngitarre und Banjo und als Gast an Pedal-Steel-, Slide- und Dobro-Gitarre: Nils Tuxen, der sein Instrument auch mal wie einen Bauchladen vor sich trägt. Meisterlich gleitet er mit dem Röhrchen über die Stahlsaiten und lässt die Töne gedehnt aufjaulen wie ein Präriewolf.
Das muntere Sextett hat echte Countryklassiker im Repertoire, von Johnny Cash, Tex Williams oder Patsy Cline, ist aber auch der Überzeugung, dass in jedem großen Song ein Countryherz schlägt. So werden Rockklassiker wie "Highway to Hell" oder Pop-Hits wie "Kiss" westerntauglich aufbereitet. Eine Kunst des Arrangements, die sich lange vor Texas Lightning bekanntlich schon die Braunschweiger Formation The Twang zu eigen gemacht hat.
Bangen um die Ukulele
"The Flame" Olsen fühlt sich sichtlich wohl als Frontmann. Mit der warmen, weichen, so weiblichen Stimme Jane Comerfords bietet er witzige Duette, die in "Jackson" gipfeln, dem Erfolgssong von Johnny Cash und Gattin June Carter. Großartig aber auch Markus "Fastfinger" Schmidt an E-Gitarre und Banjo sowie der verschmitzte Uwe "Friendly" Frenzel am Bass.
Texas Lightning kommen ohne Effekthascherei aus. Ihre Musik ist jugendfrei, vergnügt, ehrlich, uneitel. Das Tempo ist hoch, wie eine Dampflok auf vollen Touren. Bei "Cést la Vie" muss man fürchten, Lady Jane könnte ihre Ukulele in die Einzelteile zerschrammeln.
Die 1000 Besucher (viele cowboybehütet) kommen immer mehr in Fahrt, und bei "No No Never" wippen die Füße auch in der letzten Stehplatzreihe. Er hätte länger dauern können als zwei Stunden, dieser unbeschwerte Countryabend.













