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09. Februar 2012
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Zum Abitur nach Rumänien

Nino Wanzelius will nach einem Austauschjahr nun auch seinen Schulabschluss in der Ferne machen

Von Ann Claire Richter

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Auf keinen Fall nach Amerika oder Australien! Nino Wanzelius wollte in seinem Austauschjahr ein wirklich fremdes Land erkunden – und ging nach Rumänien. Nun hat sich der 16-Jährige entschlossen, dort auch sein Abitur zu machen.

Nur zwei Worte beherrschte Nino auf Rumänisch, als er am 25. August 2006 ins Unbekannte aufbrach: multumesc (danke) und va rog (bitte). "Allerdings habe ich die beiden damals auch noch durcheinander gebracht", meint er grinsend.

Doch das passiert ihm schon lange nicht mehr. "Zu Weihnachten war ich soweit, die rumänischen Lehrer zu verstehen; ab Ostern schließlich konnte ich mich auch aktiv am Unterricht beteiligen", berichtet er. Sein Rumänisch sei "in Ordnung", urteilt Nino. "Nur wenn Gespräche tiefer gehen, fehlt mir das nötige Vokabular."

Mobbing gibt’s nicht

Nino hat in Baia Mare, einer 130 000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Rumäniens, eine zweite Familie gefunden und jede Menge neuer Freunde. "Die Rumänen sind eigenartig positiv eingestellt. Selbst Menschen, die nicht so viel Geld haben, sind gut drauf."

Nino gerät ins Schwärmen, spricht von der großen Gastfreundlichkeit, von der Offenheit der Rumänen, von ihrer herzlichen Art. "Auch der Zusammenhalt unter den Schülern ist viel größer als in Deutschland. So etwas wie Mobbing gibt’s da nicht. Hier in Braunschweig habe ich das durchaus erlebt."

Ninos Austauschjahr wurde von der Organisation Youth for Understanding (YFU) betreut. 4500 Euro musste Nino dafür hinblättern, bekam jedoch auch ein YFU-Stipendium in Höhe von 750 Euro. Mit einem Einführungsseminar macht die Organisation die Austauschschüler fit für das Leben fern der Heimat. "Wir erfuhren einiges über die Geschichte Rumäniens und wie das Land wirtschaftlich dasteht. Und wir haben uns mit den Schattenseiten des Landes auseinander gesetzt und somit auch einiges über die Roma-Problematik erfahren."

Nach der Theorie hat Nino nun also die Praxis kennen gelernt. "Bei vielen der rund 20 Millionen Rumänen zählen die 2 Millionen Roma nicht. Die meisten leben auf der Straße, werden ausgegrenzt", berichtet der 16-Jährige. Allerdings, so räumt er ein, hielten die Roma auch selbst ganz bewusst Distanz. "Ich würde ihre Kultur gerne näher kennen lernen, aber man kommt da nicht ran", bedauert der Schüler.

Nino hat einen enormen Unterschied ausgemacht zwischen dem rumänischen Leben in der Stadt und auf dem Dorf. "Die Bauern leben in urtümlichsten Verhältnissen. Tradition wird groß geschrieben: mit Trachten zum Sonntagsgottesdienst und volkstümlicher Musik bei Festen."

Kein Geld: Sache der Ehre

Nino weiß, dass es sehr reiche Rumänen gibt, aber umso mehr weniger betuchte. "Aber auch die kommen klar. Es funktioniert irgendwie." Seine Gastfamilie schlägt Nino der oberen Mittelschicht zu. "Sie haben einen Schrotthandel, ein großes Haus, drei Autos", erzählt er. Sein Gastbruder hat ebenfalls ein Auslandsjahr hinter sich: in Deutschland. Die Gastschwester lebe derzeit für ein Jahr nahe Wolfenbüttel. "Meine Gasteltern sind sehr offen, und es ist für sie eine Sache der Ehre, von meiner Familie kein Geld für meinen Aufenthalt zu nehmen."

Bald wird Nino zu seinem zweiten Jahr in Rumänien aufbrechen. In einem Jahr schon kann er das Abi machen. "Mir ist es ein großes Anliegen, anderen Schülern aufzuzeigen, dass es neben den üblichen Wunschzielen auch andere spannende Länder gibt", meint Nino.

Und was eigentlich sagen Ninos Eltern dazu, dass der Sohn nun bald wieder entschwindet? "Die sind stolz, dass ich diesen Schritt wage."

Mittwoch, 08.08.2007
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/7109390/menuid/2048
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