Erstes Geschäft darf nur mit weißer Schrift werben
Imbiss-Kette wurde unfreiwillig Vorreiter für neue Gestaltungssatzung am Bohlweg
Der Bohlweg soll vornehmer werden, dezenter. Der neue Bebauungsplan schreibt rigoros vor: Außenwerbung darf keine schrillen Farben mehr haben, Schriftzüge müssen weiß sein. Nicht alle Mieter sind begeistert. Einige sträuben sich gegen die Bevormundung.
Sie wollen ihre alte Werbung behalten. Was sie theoretisch auch können, denn die zum Teil bereits in den 80er Jahren angebrachten Reklamen genießen Bestandsschutz. Das heißt: Sie dürfen hängen bleiben, jedenfalls, sofern sie genehmigt wurden. Auf die Besitzer nicht genehmigter Werbung werde man in Kürze zugehen, erklärte gestern ein Sprecher der Bauverwaltung.
Ein Laden, der auf jeden Fall seine knallgelbe rund 2,5 Quadratmeter große Reklame behalten will, ist der Schnellimbiss "China Snacks & Drinks", Bohlweg 10. Seit 1989 hängt sie dort. Der Inhaber erklärt, er fürchte die anfallenden Kosten.
"Alles grau in grau – wer käme dann noch her?"
Das gleiche gilt für Lino Caringhi, Inhaber des Eiscafés "Castello", das bereits seit 1982 ausgesprochen farbenfroh am Bohlweg wirbt. "Wenn hier alles grau in grau aussähe", meint Caringhi, "würde das Geschäft darunter leiden. Wer kommt dann noch hierher?"
Und dennoch, vermutlich müssen die beiden Läden bald in neue, schlichtere Werbung investieren. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Fassade des Hauses noch dieses Jahr renoviert werden, entsprechend der neuen, vorgegebenen Farbpalette. Und zumindest der Inhaber des "China Sacks" fürchtet, sein Vermieter könne auch von ihm eine dezentere Farbgebung fordern. "Nur, wer trägt dann die Kosten?"
Unterdessen gibt es ein erstes Geschäft, das sich den Festsetzungen des neuen Bebauungsplanes unterwerfen musste: die neu eröffnete Filiale von Tigaa-Imbiss. Sie musste ihr braunes, eigens von einem Architekten entworfenes Logo ändern, weil die Stadt überzeugt war, es handele sich hier um kein Logo, sondern um einen Schriftzug und für den seien nunmal weiße Einzelbuchstaben vorgeschrieben. Nur der farbige I-Punkt durfte bleiben.
Wenig erfreut über die ihm auferlegten werblichen Einschränkungen zeigt sich Tigaa-Chef Trung Lam. Er fühlt sich benachteiligt gegenüber den anderen Geschäften, deren teils schrille Leuchtreklamen Bestandsschutz genießen. Er klagt: "Wen es zuerst trifft, hat die schlechten Karten. Wir sehen erstmal blass aus gegen alle anderen."
Mc Donalds zeigt sich kompromissbereit
Die Stadt versucht derzeit, alle anderen von den Vorteilen einer dezenteren Außendarstellung zu überzeugen, bislang mit durchwachsenem Erfolg. Immerhin, Branchenriese McDonalds, seit 1977 ansässig, denkt darüber nach, seine Werbung zu reduzieren. Ein Sprecher: "Wir sind in jeglicher Hinsicht kompromissbereit. Nur eine gewisse Visibility, eine Wiedererkennbarkeit, muss sein. Unser gelbes geschwungenes M wird bleiben!"













