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12. Februar 2012
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Augenblicke beim Autofahren

Man weiß vieles über das Verhalten des Menschen am Steuer, aber noch längst nicht alles

Von Harald Duin

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Der Fachmann für den Dialog Mensch / Maschine arbeitet an der Gaußstraße in fast noch unmöblierten Räumen. Ein Schreibtisch, ein Laptop, zwei Stühle. Vollrath sitzt da wie einer, der ausdrücken will: Ich werde wohl noch öfter gebraucht werden.

Vollrath hat vorher an der Universität Würzburg gearbeitet und am Institut für Verkehrsführung und Fahrzeugsteuerung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Braunschweig. Gleich sind wir mittendrin in der Unterhaltung über die Fehlerhaftigkeit des Menschen. Fehler können verzeihlich und im günstigen Fall das Tor zu neuen Entdeckungen sein. Manche Fehler sind tödlich. Nach Schätzungen der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich auf der Welt 1 Million bis 1,2 Millionen Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen, in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im vorigen Jahr 5091 Menschen. Es sind in der öffentlichen Debatte wenige, die sich das Ausmaß der Trauer in den betroffenen Familien vorstellen.

Vollrath ist sich sicher, dass Tempo 120 oder 130 auf der Autobahn die Zahl der Verkehrstoten senken würde. Dieser Aspekt werde in der momentanen Debatte über Geschwindigkeitsbegrenzungen leider vernachlässigt.

Vollrath wird sich weiterhin mit der Frage befassen müssen, bei welcher Geschwindigkeit und unter welchen Verhältnissen ein Autofahrer eigentlich noch sinnvoll reagieren kann, um einem Hindernis auszuweichen. Mit 130 km/h nach seiner Meinung eher als mit 160 km/h.

Und wenn man die Autofahrer bittet, den Fuß vom Gas zu nehmen? Von der Wirksamkeit solcher Appelle hält er nichts: "Sie bringen erfahrungsgemäß keine großen Verhaltensänderungen." Und da schließt er die Schilder mit entsprechenden Texten am Rande der Autobahn ein.

Die Annäherung des Psychologen an den Autofahrer bleibt schwierig. Im Prinzip weiß man, dass Autofahren fasziniert. Aber Vollrath und andere Psychologen möchten gerne mehr wissen – auch über die Phasen der Selbstüberschätzung ("ich fahre ja vernünftig"). Da geht es um die Frage, was ein Autofahrer bei welcher Geschwindigkeit eigentlich noch wahrnehmen und gedanklich verarbeiten kann – und das alles in der Gewissheit, dass Menschen am Lenkrad doch sehr unterschiedlich sind, in ihren momentanen Stimmungen sowieso. Aber es gibt Grundmuster des Verhaltens, die sich beobachten und messen lassen. Im Versuchsfahrzeug des DLR-Instituts für Verkehrsführung und Fahrzeugsteuerung (Foto) kann aufgezeichnet werden, wohin ein Fahrer blickt und wie seine Reaktionen sind.

Seit Generationen haben die meisten Psychologen das Verhalten des Menschen nur beschrieben. Diese Erkenntnisse genügten ihnen. Da ist Vollrath ehrgeiziger: "Ich will nicht nur Beschreiber sein". Er will eine optimale Liaison zwischen Mensch und Maschine.

Dienstag, 13.11.2007
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/7557593/menuid/2048
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