Schulmaterial und Essen für arme Kinder
Oberbürgermeister Hoffmann sucht Sponsoren Früherer Propst Kraft Beauftragter für Fragen der Kinderarmut
Mit einer unbürokratischen Lösung will Braunschweig Kinderarmut bekämpfen. Dort, wo die Hartz-IV-Gesetze versagen, wird die Stadt schnelle Hilfe organisieren. Sie hat nach wochenlangen Forderungen von Kirchen und Verbänden die Initiative ergriffen.
Oberbürgermeister Gert Hoffmann stellt sich an die Spitze und macht Kinderarmut nach längerem Zögern doch noch zu seinem Thema in der Stadt.
"Kinderarmut zeigt sich vor allem bei der Ernährung und bei den Schulmitteln. Für beides ist der Bund verantwortlich", sagt er zwar immer wieder. Dennoch greift er jetzt kommunal ein, um Not von 6715 Kindern der Stadt zu lindern, die von Sozialhilfe leben müssen. Start des Programms mit den Schwerpunkten Essen und Bildung soll so schnell wie möglich sein.
Kein kommunaler Fonds
Er setzt dabei auf Sponsoren, Stiftungen und Spender. Doch Hoffmann schließt erstmals nicht mehr aus, auch städtische Gelder einzubringen. Benötigt wird insgesamt etwa eine Million Euro jährlich.
Nach der Ankündigung des Berliner Koalitionsausschusses, ein 200-Millionen-Euro-Programm für Kinder aus sozial schwachen Familien aus dem Bundeshaushalt aufzulegen, geht die Stadt davon aus, mit einem mittleren sechstelligen Eurobetrag zu profitieren.
Einen kommunalen Fonds, wie ihn die Propsteisynode fordert, lehnt er weiter ab. Er will keinen Präzedenzfall für den Bund schaffen. Die Verwaltung des Fonds könnte auch ein Wohlfahrtsverband übernehmen, heißt es im Rathaus. Steuern wird das Sozialreferat. Der bereits bestehende Sozialbeirat aus Vertretern von Kirchen und Verbänden soll Projekte beurteilen. Geholfen wird mit Sachleistungen.
"So können wir ein einmaliges Überbrückungsprogramm aufstellen, bis der tatsächlich zuständige Bund seine Aufgabe erfüllt", sagt Hoffmann.
Sozialdezernent Ulrich Markurth erklärt, dass sich insbesondere beim Schulessen eine zügige Umsetzung anbahnt. Es gab bereits organisatorische Absprachen mit Direktoren besonders betroffener Schulen.
"Diakonie und Kirche begrüßen es außerordentlich, dass Oberbürgermeister Hoffmann Kinderarmut als Problem in Braunschweig ernst nimmt und sich für die Einrichtung eines Fonds für Schul- und Lernmaterial sowie weiterer Hilfen für Hartz-IV-Kinder und Familien einsetzt und dazu auch kommunale Mittel nicht mehr ausschließt", sagt Norbert Velten vom Diakonischen Werk. Das Diakonische Werk war Auslöser der Debatte in Braunschweig.
"Ideale Vertrauensperson"
Hoffmann gewann den früheren evangelischen Propst Armin Kraft als Beauftragten für Fragen der Kinderarmut. "Er ist die ideale Vertrauensperson für diese Sache", meint Hoffmann. Kraft soll auch Überzeugungsarbei bei möglichen Geldgebern leisten. Hoffmann selbst spricht bereits mit möglichen Unterstützern. Die Richard-Borek-Stiftung, Unternehmer Joachim Staake und andere haben schon konkrete Hilfe angeboten.
"Ich war fast 40 Jahre Pastor in Braunschweig. Ich kenne viele Menschen und Institutionen. Immer nur Betroffenheit über Kinderarmut zu bekunden, reicht nicht aus. Jetzt geht es in Braunschweig um konkrete Hilfe. Dafür stehe ich gern zur Verfügung", erklärt Kraft.













