Jäger erschießt jungen Schwan in der Schunteraue
Schonzeit vorbei: Landwirte klagen über erhebliche Schäden durch die Vögel
Braunschweigs Jäger greifen wieder zur Flinte. Die Schonzeit für Schwäne ist zu Ende. Die Großvögel dürfen abgeschossen werden. Erstes Opfer wurde ein junger Schwan in der Schunteraue.
"Ich bin traurig", sagt Susanne Möhle aus Kralenriede. Fast täglich begegnete sie im Naherholungsgebiet Schunteraue der Schwanen-Gruppe. "Und seit Frühjahr gab es auch Junge." Tierfreunde fütterten die Schwanenfamilie. Sie fraßen ihnen aus der Hand.
Als Susanne Möhle jetzt "ihre" Schwäne besuchen wollte, stockte ihr der Atem: Am Ufer entdeckte sie eine Blutlache. Sämtliche Schwäne sind seitdem verschwunden.
"Wahrscheinlich ist der junge Schwan auch dem Jäger entgegengewatschelt, in der Hoffnung auf einen guten Happen", glaubt die Tierfreundin. Aber der Jäger schoss.
"Schwäne und Graugänse fressen die Saat weg"
Susanne Möhle recherchierte und stieß dabei auf Jagdpächter Jürgen Cordes. Der 63-Jährige hatte in seinem Revier einen jungen Schwan zum Abschuss freigegeben. "Geschossen hat aber ein anderer Jäger, sagte mir der Jagdpächter. Der soll den Schwan später gerupft, auf einen Grill geworfen und gegessen haben", berichtet Susanne Möhle. "Ich bin entsetzt."
Jagdpächter Jürgen Cordes bestätigt: "Schwäne sind jagdbares Wild, das geschossen und dann auch gegessen wird. Wir schießen nicht sinnlos Tiere und schmeißen sie anschließend weg."
Kreisjägermeister Siegfried Pottkamp beruft sich auf Klagen von Landwirten: "Schwäne und Graugänse fressen die Saat weg, verkoten die Felder."
Erst vor kurzem hätten sich die Landwirte beim Kreisjägermeister und beim Niedersächsischen Landvolk über die Untätigkeit der Jäger beklagt.
Kein Verständnis für die Jäger hat Tierheimleiter Herbert Nagel. Die Jagd auf Schwäne sei schon sehr ungewöhnlich, meint er. Auch die Klagen von Landwirten kann der Tierschützer nicht nachvollziehen.
"Ein Jungschwan frisst auf Feldern nichts weg", meint Nagel. "Vielleicht hat der Jäger einen Schwan geschossen, um die anderen Tiere zu vertreiben."
Unverständnis auch bei Carlo Fuchs, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) in Braunschweig. "Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb Schwäne erschossen werden", sagt er. "Der Bestand ist gering. 25 bis 30 Tiere leben im Braunschweiger Bereich."
Dass Landwirte durch Schwäne geschädigt würden, hält Fuchs für unwahrscheinlich. Bisher habe noch kein Landwirt Ausgleichszahlungen für die Verluste gefordert.













