Kirche lenkt ein und bietet Hilfe an
Nach Spende des Unternehmers Knapp beginnt Organisation für einen Schulkostenfonds
Der frühere Propst Armin Kraft hat einen großen Schub bei den Anstrengungen gegen Kinderarmut in Braunschweig ausgemacht. Die 600 000-Euro-Spende des Unternehmers Friedrich Knapp habe Signalwirkung, meint der Beauftragte im Kampf gegen Kinderarmut.
Mit der Spende des New-Yorker-Chefs geht auch die Auseinandersetzung um einen Schulkostenfonds zwischen Stadt und Kirche zu Ende. "Wir bieten unsere Hilfe an, wo wir können. Ich bin frohen Mutes, dass etwas Gutes für Braunschweig entsteht", sagt Thomas Hofer, evangelischer Propst.
Die Kirchen hatten die Stadt seit Monaten unter Druck gesetzt. Es sollte ein kommunal finanzierter Schulkostenfonds eingerichtet werden, um Kindern aus sozial schwachen Familien Chancengleichheit bei der Bildung zu ermöglichen.
Die Stadt hatte sich verweigert und als nicht zuständig erklärt. Die Verantwortung trage der Bund, der die Hartz-IV-Regelsätze festgelegt habe. Geld für Schulkosten ist dort nicht vorgesehen. Jetzt wird es einen Fonds dank bürgerschaftlichen Engagements geben.
Die Vorbereitungen für Schulkostenfonds beginnen im Januar. Ursula Hellert, Gesamtleiterin des Christlichen Jugenddorfwerks in Braunschweig und Beraterin von New Yorker, Susanne Grobe, Schulleiterin der Grund- und Hauptschule Isoldestraße, Thomas Schebesta, städtischer Schul-Fachbereichsleiter, und Armin Kraft werden das anpacken.
Die Resonanz auf Großspende und Schulkostenfonds ist positiv. Hier einige Stimmen:
Götz-Rüdiger Kliesch , sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: "Der Ansatz, auf private Untersützung zu setzten, war richtig. Ich wäre nicht sinnvoll gewesen, wenn die Stadt für den Bund in die Bresche gesprungen wäre. Es gibt klare Reglungen für die Betätigungsfelder."
Gabriele Hübner , sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion: "Es ist sehr anerkennenswert, eine so große Summe zu spenden und damit den Schulkostenfonds weitgehend zu sichern. Dennoch denke ich, dass die Kommune nicht aus ihrer sozialen Verantwortung entlassen werden darf. Der soziale Anspruch der Mehrheitsfraktionen aus CDU und FDP ist nicht besonders ausgeprägt, das ist bei diesem Thema deutlich geworden."
Armin Kraft , evangelischer Propst a.D. und von Oberbürgermeister Gert Hoffmann ernannter Beauftragter im Kampf gegen Kinderarmut: "Mit einem breiten bürgerschaftlichen Engagement ist nicht nur der Schulkostenfonds möglich, sondern eben auch das Programm gesunde Ernährung, eine Regelung für Zuschüsse von Klassenfahrten und verstärkte Sozialarbeit an Schulen. Die letzten Monate waren sehr erfreulich."
Thomas Hofer , Propst der evangelischen Kirche Braunschweig: "Ich bin sehr froh, dass das Thema Kinderarmut in Braunschweig fest verankert ist. Braunschweig benötigt einen Schulkostenfonds. Das ist klar geworden."
Reinhard Heine , Propst der katholischen Kirche Braunschweig: "Ich finde es toll, dass sich Stifter und Spender engagieren und jetzt Hilfe im Schulkostenbereich gesichert ist. Aber ich hätte mir schon gewünscht, dass die Stadt frühzeitig selbst Verantwortung übernommen hätte. Pochen auf Zuständigkeiten kommt mir vor wie ein Ping-Pong-Spiel. Das hilft den Betroffenen nicht weiter."
Norbert Velten , Diakonisches Werk: "Dass es in Braunschweig einen Schulkostenfonds geben wird, ist eine tolle Sache für die Bedürftigen. Es ist auch Ergebnis unserer Anstrengungen seit August. Ich hoffe, dass der von der Verwaltung gegründete Präventionsbeirat Kinderarmut, mit seiner vielschichtigen Kompetenz, bei den Planungen einbezogen wird. Wir bieten an, mit der Stadt Seite an Seite in Berlin für Veränderungen bei den Hartz-IV-Regelungen zu kämpfen."













