Experten rätseln über Anstieg des Grundwassers im Magniviertel
Tiefbauten in der Innenstadt könnten für Pegelanstieg verantwortlich sein – Kirchen weiter standfest
Die bis zu sieben Meter tief unterkellerten Schloss-Arkaden und wohl auch die vier Meter tiefe neue Tiefgarage unter dem Schlosscarrée haben den Grundwasserspiegel in der Innenstadt verändert. Im Magniviertel liegt er über dem früheren Niveau.
Die Differenz sei allerdings nicht gravierend, beruhigte Diplom-Ingenieur Andreas Romey vom städtischen Fachbereich Stadtplanung die Mitglieder des Bezirksrates Innenstadt. Besorgt hatte Jürgen Johannes (SPD) gefragt, ob insbesondere nach dem Bau der Schloss-Arkaden der Grundwasserspiegel im Magniviertel gestiegen sei. Im Mai, berichtete er, habe man den Keller seines Wohnhauses am Ölschlägern 31 leerpumpen müssen. Auch andere Keller seien neuerdings feuchter als zuvor.
Direkt vor der Dichtwand staut sich das Wasser höher
Dem entgegnete Romey, die aktuell an der Magnikirche gemessenen Werte lägen auf dem gleichen Niveau wie seit den 80er Jahren. "Es gibt keine neuen Höchststände." Allenfalls eine leichte Anhebung der mittleren Grundwasserstände habe man festgestellt. Es gehe aber nur um Zentimeter.
Eine deutliche Erhöhung gebe es vor der Dichtwand der Schloss-Arkaden. Sie wirke sich aber nicht auf das Magniviertel aus. Nach Öffnung der Dichtwand, die die Baugrube gegen einströmendes Grundwasser schützte, seien die Pegel nicht wieder soweit gesunken, wie vorausberechnet. "Es gab Irritationen." Daraufhin habe man ECE im Dezember 2006 angewiesen, das Grundwasser östlich des ECE-Baukörpers abzupumpen.
Anordnung zum Abpumpen wieder zurückgenommen
Nach einem daraufhin von ECE vorgelegten Gutachten, dem sich die Stadt anschloss, habe man Ende März 2007 diese Anordnung wieder zurückgenommen. "Die hohen Grundwasserstände lassen sich danach als normale Schwankungen erklären." Diese könnten in einem so einem regenreichen Jahr wie 2007 mehr als einen Meter betragen.
Welche Gründe jedoch zum leichten Anstieg des Pegels im Magniviertel führten, sei unklar. Eine Ursache, vermutet Romey, könne die Umleitung des Grundwassers sein. Es müsse sich neuerdings, unter den Schloss-Arkaden hindurch, einen Weg Richtung Okerumflut suchen, durch nachträglich in die Bauwanne eingefügte "Fenster".
Aus gutem Grund habe die Stadt im wasserrechtlichen Teil der Baugenehmigung auf abgedichtete Baugruben bestanden, auch jetzt beim Schlosscarrée. Früher, etwa beim Horten-Bau Anfang der 70er Jahre, habe man noch das einströmende Wasser abgepumpt. Das mache man heute nur noch bei Baubeginn, denn es führe zu einer gefährlichen Absenkung des Grundwasserspiegels.
Im Magniviertel fiel dieser 1973 um fast zwei Meter. Verheerende Folgen habe man seinerzeit riskiert. "Die auf Holzbohlen gegründeten alten Fundamente können trockenfallen, die Statik sich verändern. Das hätte schlimme Folgen haben können." Schon oft hätten alte Kirchtürme sich plötzlich zur Seite geneigt. Dazu kam es nicht.
STICHWORT:
Grundwasserspiegel
Ursprünglich floss die Oker in einer 200 bis 500 Meter breiten Talaue in nördlicher Richtung durch das heutige Stadtgebiet. Die ersten Ansiedlungen bildeten sich im 9. Jahrhundert an einer Okerfurt. Doch bereits Mitte des 12. Jahrhunderts wurde zu Verteidigungszwecken ein Teil des Okerwassers um die Stadt und durch die Wehrgräben herumgeleitet.
Die innerstädtische Okeraue wurde früh durch Gräben und Aufschüttungen urbar gemacht. Die Fließrichtung des Grundwassers änderte sich nicht. Es reicht noch heute bis dicht an die Erdoberfläche.
Der Betrieb der Innenstadtwehre in den Umflutgräben soll stabilisierend auf die Grundwasserstände wirken. Sie bestimmen Fließrichtung und auch Fließtempo. Es handelt sich um ein seit Jahren funktionierendes System, das im Hochwasseralamplan der Stadt festgeschrieben ist.
Die Umflutgräben sind auf 69,30 Meter über Normalnull eingestellt. Im Hochwasserfall werden sie abgesenkt, sodass keine Gefahr für Kirchen und andere historische Gebäude entsteht.













