Stadt stoppt umstrittenen Kahlschlag der Schwarzpappeln in Riddagshausen
Verwaltung schließt nicht mehr aus, dass Bäume am Kreuzteich auf der Roten Liste stehen
Der für Montag geplante, umstrittene Kahlschlag an der Ebertallee und am Messeweg ist gestoppt. Die Stadt wartet Untersuchungsergebnisse ab, ob dort tatsächlich stark bedrohte Schwarzpappeln betroffen wären.
Unter den 92 Bäumen, die abgeholzt werden sollen, befinden sich nach Informationen unserer Zeitung 9 Schwarzpappeln "nigra". Diese Art steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Bäume.
Die Stadt prüfte gestern die Bäume, nachdem Hinweise von Umweltschützern eingegangen waren. Ein Resultat soll erst in einigen Tagen vorliegen. Die Untersuchung ist in dieser Jahreszeit besonders schwierig, weil Knospen zur Bestimmung fehlen.
Deswegen sagte Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink das Abholzen vorerst ab: "Ich schließe nicht aus, dass die Planungen zum Umbau von Ebertallee, Messeweg und Teichblick überarbeitet werden, wenn tatsächlich artenreine Schwarzpappeln an den Straßen stehen." Unter Naturschutz stünden sie aber nicht. Was mit ihnen letztlich passieren solle, so Zwafelink, müssten dann städtisches Gremium entscheiden.
Die Zeit dränge wegen der Setz- und Brutzeit, die im März beginnt. Baumfällen ist dann nicht mehr zulässig. Selbst bei einer Verzögerung des Umbaus müssten staatliche Fördermittel nicht zwingend ausfallen.
Nach dem Baumkataster der Stadt Braunschweig sollen am Kreuzteich zwar viele Schwarzpappeln stehen, aber nur in den häufigen Zuchtformen italica oder robusta.
Als Beleg schickte die Stadt einen Katasterauszug, der als Arbeitsgrundlage dient. Aufgeführt sind 61 Bäume. Fällen will die Stadt 92.
Die artenreine Schwarzpappel gehört zu den seltensten Bäumen Deutschlands. Darum werden diese Pappeln üblicherweise als Naturdenkmale ausgewiesen.
Das Naturschutzgesetz bestimmt: "Alle Handlungen, die das Naturdenkmal oder seine geschützte Umgebung zerstören, beschädigen oder verändern, sind verboten."
Hennig Brandes (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, fordert das Fällen. Er will den Baufortschritt nicht gefährden und hält die Pappeln als Straßen begleitende Bäume für nicht erhaltenswert.
Ein Experte der Stadt erklärt, dass die Lebensdauer der nach dem Krieg gepflanzten Schwarzpappeln in dem Umfeld nur noch maximal zehn Jahre betrage.
Anstatt die Bäume zu fällen, so Grünen-Fraktionschef Holger Herlitschke, müsse man sie die zwingend erhalten und als Naturdenkmale ausweisen. "So wie die Stadt das bei der Blutbuche an der Wolfenbütteler Straße getan hat", sagt Herlitschke.
Naturschützer haben für Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr Infostände an der Ebertallee/Dr.-Wilke-Weg angekündigt.













