Worte, die den Tod begleiten . . .
Historiker sammelte über Jahre Trauerlyrik und suchte Beispiele auch in der Braunschweiger Zeitung
Ein Hamburger Historiker, Professor Bernd-Ulrich Hergemöller, hat über mehrere Jahre auch in der Region Braunschweig Trauerlyrik der Gegenwart gesammelt, volkstümliche Trauergedichte in Zeitungsanzeigen, in Trauerkarten,
auf Einladungen zum Begräbnis.
Es ist eine Trauerlyrik, die langsam verschwindet. Vieles darunter holprig gereimt. Manche Verse atmen noch den Geist vorindustrieller Zeiten, in denen "sich die Menschen abrackern mussten, bis sie umfielen, und in denen die Kunst der Ärzte bereits vor einer Lungenentzündung kapitulierte."
Titel des Buches: "Ich hab das Leben überwunden . . ." Unter anderem sichtete Hergemöller mit Hilfe des Braunschweiger Bibliothekars und Gastronomen Martin Novàk-Rutrich Traueranzeigen in der Braunschweiger Zeitung, in den Westfälischen Nachrichten (Münster) und im Hamburger Abendblatt.
Hergemöller ging es nicht darum, die Verstorbenen und deren Angehörigen "vorzuführen". Es kam ihm darauf an, die lyrischen Produktionen zu konservieren.
Es sind schöne, schlichte Gedichte dabei, aber halt auch solche, die rhythmisch einfach schauderhaft sind. Das Buch enthält Graphiken aus den Jahren 1896 1914 der illustrierten Kulturzeitschrift "Jugend". Ausgewählt wurden dabei Varianten des Großbuchstabens "T", weil dieser Assoziationen an Grundbegriffe der Trauerlyrik wie Tod, Trauer und Tränen weckt.
Viele Gründe, beim Lesen des Buches ins Grübeln zu kommen. Das Leben mancher Menschen bestand offenbar nur aus Sorge und Plackerei das Motiv vieler Trauergedichte. Beispiel: "Du hast gesorgt, Du hast geschafft, / gar manchmal über Deine Kraft. / nun ruhe aus, geliebtes Herz, die Zeit wird lindern unseren Schmerz." Hergemöller: "Immer wieder wird der Verstorbene noch nachträglich (wie bei einem Arbeitszeugnis) klassifiziert."
Gerne wird in den Trauergedichten der Tote als treu und fleißig bezeichnet. Irgendwie armselig, einen Menschen auf diese Begriffe zu reduzieren anspruchsloses Erdenleben, anspruchslose Grabesruhe. Hergemöller: "Der Dank wird militärisch knapp angehängt, wie eine lästige Pflichterfüllung."
Ein häufiges Motiv: Überwindung und Erlösung. Sterben als tröstlicher Vorgang für den Todkranken und dann für die Angehörigen, die manchmal heimlich heilfroh sind, dass sie wieder mehr an sich denken können.
Bei der Auswahl der Trauersprüche spielt die Bibel noch eine große Rolle. Unter den Dichtern wird Rainer Maria Rilke häufig zitiert. Eine Fundgrube sind seine Herbstgedichte und "Duineser Elegien", die um die Endlichkeit des Seins kreisen. Manche Trauernden neigen zur Kürze, wie dieses Beispiel aus Braunschweig zeigt: "Die Sonne sank, bevor es Abend wurde."













