BZV
newsclick
Suchen
04. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

Worte, die den Tod begleiten . . .

Historiker sammelte über Jahre Trauerlyrik und suchte Beispiele auch in der Braunschweiger Zeitung

Von Harald Duin

zoom
Großansicht Großansicht
zoom
Großansicht Großansicht
zoom
Großansicht Großansicht

Ein Hamburger Historiker, Professor Bernd-Ulrich Hergemöller, hat über mehrere Jahre – auch in der Region Braunschweig – Trauerlyrik der Gegenwart gesammelt, volkstümliche Trauergedichte in Zeitungsanzeigen, in Trauerkarten,

auf Einladungen zum Begräbnis.

Es ist eine Trauerlyrik, die langsam verschwindet. Vieles darunter holprig gereimt. Manche Verse atmen noch den Geist vorindustrieller Zeiten, in denen "sich die Menschen abrackern mussten, bis sie umfielen, und in denen die Kunst der Ärzte bereits vor einer Lungenentzündung kapitulierte."

Titel des Buches: "Ich hab‘ das Leben überwunden . . ." Unter anderem sichtete Hergemöller mit Hilfe des Braunschweiger Bibliothekars und Gastronomen Martin Novàk-Rutrich Traueranzeigen in der Braunschweiger Zeitung, in den Westfälischen Nachrichten (Münster) und im Hamburger Abendblatt.

Hergemöller ging es nicht darum, die Verstorbenen und deren Angehörigen "vorzuführen". Es kam ihm darauf an, die lyrischen Produktionen zu konservieren.

Es sind schöne, schlichte Gedichte dabei, aber halt auch solche, die rhythmisch einfach schauderhaft sind. Das Buch enthält Graphiken aus den Jahren 1896 – 1914 der illustrierten Kulturzeitschrift "Jugend". Ausgewählt wurden dabei Varianten des Großbuchstabens "T", weil dieser Assoziationen an Grundbegriffe der Trauerlyrik wie Tod, Trauer und Tränen weckt.

Viele Gründe, beim Lesen des Buches ins Grübeln zu kommen. Das Leben mancher Menschen bestand offenbar nur aus Sorge und Plackerei – das Motiv vieler Trauergedichte. Beispiel: "Du hast gesorgt, Du hast geschafft, / gar manchmal über Deine Kraft. / nun ruhe aus, geliebtes Herz, die Zeit wird lindern unseren Schmerz." Hergemöller: "Immer wieder wird der Verstorbene noch nachträglich (wie bei einem Arbeitszeugnis) klassifiziert."

Gerne wird in den Trauergedichten der Tote als treu und fleißig bezeichnet. Irgendwie armselig, einen Menschen auf diese Begriffe zu reduzieren – anspruchsloses Erdenleben, anspruchslose Grabesruhe. Hergemöller: "Der Dank wird militärisch knapp angehängt, wie eine lästige Pflichterfüllung."

Ein häufiges Motiv: Überwindung und Erlösung. Sterben als tröstlicher Vorgang – für den Todkranken und dann für die Angehörigen, die manchmal heimlich heilfroh sind, dass sie wieder mehr an sich denken können.

Bei der Auswahl der Trauersprüche spielt die Bibel noch eine große Rolle. Unter den Dichtern wird Rainer Maria Rilke häufig zitiert. Eine Fundgrube sind seine Herbstgedichte und "Duineser Elegien", die um die Endlichkeit des Seins kreisen. Manche Trauernden neigen zur Kürze, wie dieses Beispiel aus Braunschweig zeigt: "Die Sonne sank, bevor es Abend wurde."

Donnerstag, 20.03.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8166384/menuid/2048
epaper

Die elektronische Ausgabe Ihrer Zeitung - Jetzt abonnieren!

[ zum e-paper ]
Ritter Rost ist krank
[ zur Galerie ]
Be Privileg Party
[ zur Galerie ]
Schlagerparade Party
[ zur Galerie ]
alle Fotogalerien ]

Videos der Region

SPD-Chef Gabriel wird wieder Vater

zum Artikel ]

Heute Köchin, morgen Visagistin

zum Artikel ]

Läute-Lärm und Statik-Spätfolgen – Streit um Friedhofsglocke

zum Artikel ]

CDU-Stadtfraktion will Polizeisprecher im Landtag sehen

zum Artikel ]

Evangelische Kirche will Sportplatz an Sportverein verkaufen

zum Artikel ]

Gassenhauer von Waterkant und Reeperbahn

zum Artikel ]

Acht bis zwölf Jugendliche prügelten sich im Bahnhof

zum Artikel ]

"Wir sollten Schwäche nicht zum Kultstatus erheben"

zum Artikel ]

Neuer Kreisel kommt

zum Artikel ]

Zentralmensa in Fredenberg nicht vor 2014/15

zum Artikel ]

St. Ansgar eröffnete neue Kinderkrippe

zum Artikel ]

Stadt Wolfenbüttel unterstützt die Freiwilligen-Agentur

zum Artikel ]

Brandursache nach Chemieversuch ist ungeklärt

zum Artikel ]

Problem-Schlamm wird zum Fall für Ortsräte

zum Artikel ]