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01. August 2010
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Der Mann, der allen Schauspielern seine Stimme leiht

Wenn Filme nicht synchronisiert sind: Stefan Lange ist Einsprecher beim Kinder-Kino-Fest "Sehpferdchen"

Von Ann Claire Richter

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Ein kleiner Tisch, ein Mikrofon, eine Leselampe, ein Mini-Mischpult, ein Glas Wasser. Stefan Lange hat sein Plätzchen in der hintersten Reihe des Roten Saals im Schloss. Der 46-Jährige ist hochkonzentriert und sein Blick fest auf den Text vor sich gerichtet. Das Licht im Saal geht ganz sanft aus, nur die Leselampe bleibt an, der Vorspann läuft. Jetzt Langes Einsatz: "Ich habe dich besiegt…"

Stefan Lange ist Einsprecher – und immer dann gefragt, wenn ein ausländischer Kinofilm nicht synchronisiert ist. Dann leiht Lange den Schauspielern – und zwar allen – seine Stimme. So auch beim Kinderfilmfest "Sehpferdchen", das am Montag für Schulklassen "Kleine Helden" aus Israel zeigt. Eine Abenteuergeschichte, die von vier Kindern erzählt, die einen aufregenden Trip durch die Wüste erleben. Aber wer kann den Film schon verstehen, wenn alle nur Hebräisch sprechen?

Seit dem Jahr 2000 ist Lange, gebürtiger Hannoveraner, für das Kinderfilmfest als Einsprecher am Start. In der Landeshauptstadt läuft das Festival schon seit Jahren erfolgreich. Vor allem bei Kinder- und Jugendfilmen sind Einsprecher hilfreich. Denn Untertitel helfen dann selten weiter. Oft sind sie in englischer Sprache. Aber selbst wenn sie auf Deutsch sind, ist nicht gesagt, dass die Schüler davon profitieren. "Lehrer haben mir berichtet, dass manche Haupt-, Berufs- oder Realschüler den deutschen Texten kaum folgen können, weil sie sie so schnell nicht lesen können."

Lange versucht gar nicht erst, synchron auf die Schauspielerworte zu sprechen. Denn er will den Originalton, die Atmosphäre des Films bewahren. Er will durch seine Art auch nicht interpretieren. "Wenn es gut läuft und ich im Rhythmus bin, vergessen die Zuschauer, dass eine Stimme im Raum ist, die alle Rollen spricht – selbst die der Frauen."

Lange ist zufrieden, wenn ihm Zuschauer hinterher verwundert erklären, dass sie ihn gar nicht – wie befürchtet – als störenden Fremdkörper empfinden, sondern dass seine Stimme Bestandteil des Ganzen geworden sei. "Vorher fragen mich manche Kinder, ob ich ihnen den Film erkläre", sagt Lange. So wie es bei der so genannten Audio-Deskription für Blinde geschieht, bei der der Sprecher alles beschreibt, was zu sehen ist. "Aber gerade das mache ich natürlich nicht."

Lange hat auf seine Textblätter – die die Profis Dialog-Liste nennen – geheimnisvolle Zeichen gekritzelt. "Damit ich weiß, wann ich Pausen machen muss und wann schnelle Anschlüsse kommen."

Manchmal wird’s beim Einsprechen haarig. Und zwar immer dann, wenn die Schauspieler durcheinander reden. Dann muss Lange aufs Tempo drücken. "Da variiere ich auch schon mal die Tonhöhe oder spreche den einen sanfter, den anderen härter, um die Figuren zu unterscheiden."

Stefan Lange hat in Hildesheim angewandte Kulturwissenschaft studiert und ist heute vorwiegend als freier Schauspieler tätig. "Meine Stimme ist ausgebildet. Sprechen habe ich gelernt", sagt er.

In der Tat. Schnell lässt Lange bei "Kleine Helden" vergessen, dass da ganz hinten ein Einsprecher im Saal sitzt. Kinder und Erwachsenen sind völlig eingetaucht in die Atmosphäre und nehmen ihn kaum mehr wahr, den Mann hinter der Leselampe. Und Lange ist zufrieden…

Dienstag, 15.04.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8297614/menuid/2048
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