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12. Februar 2012
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Wenn die Flaniermeile zum Engpass wird

Auf dem Bohlweg gibt es täglich Ärger zwischen Fußgängern und Radfahrern – Stadt setzt auf ein Miteinander der Verkehrsteilnehmer

Von Frank Joung

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Wer in einem der Cafés und Restaurants am Bohlweg sitzt, kann täglich Folgendes beobachten: Fahrradfahrer, die mit genervten Blick abbremsen, weil ihnen Passanten den Weg versperren – und Fußgänger, die sich von heranrasenden Radfahrern belästigt fühlen und sogar ausweichen müssen.

Mehr noch: Die Eis essenden und Kaffee trinkenden Café-Gäste sind häufig selbst gefährdet – zumindest, wenn sie draußen an den Tischen sitzen. Dann nämlich sind sie quasi Verkehrsteilnehmer. Denn einige der Stühle stehen direkt an der – kaum sichtbaren – Grenze zum Fahrradweg.

"Genügend Spielraum zum Ausweichen"

"Es ist allgemein gefährlich hier", sagt Cafébesitzer Recai Karadeniz. "Zum Beispiel, wenn die Leute aufstehen und nicht auf die Radfahrer achten." Dann kann der Stuhl schon mal zum Hindernis werden.

Besonders auf dem Bohlweg-Abschnitt Langer Hof bis Waisenhausdamm herrscht Platzmangel. Wartende Fußgänger stehen an den Ampeln – und häufig Radfahrern im Weg. Für die heißt es oft: Klingeln, umkurven oder absteigen.

Für Petra Böhm aus der Südstadt ist es ein Dilemma. "Ich fahre hier oft mit dem Rad zur Arbeit, aber ich mag es nicht, andere wegzuklingeln." Beschimpfen lassen will sie sich aber auch nicht. "Das sehe ich nicht ein, denn ich habe hier ja als Radfahrer auch eine Berechtigung."

Was viele nicht wissen: Fahrradfahrer dürfen auf dem Bohlweg radeln – in beide Richtungen. Viele Bürger bemängeln, dass die Radwege weder ausreichend beschildert noch farblich gekennzeichnet sind. "Einige Radfahrer rasen hier aber auch in einer Geschwindigkeit lang", beschwert sich ein Passant.

Dabei hat das Fußgänger-Radfahrer-Gewusel System – genau genommen ist es das System. Es basiert auf einem Verkehrskonzept des "Shared Space", des gemeinsam genutzten Raumes. Die Planer setzen dabei weniger auf Regeln und Einschränkungen, sondern auf ein Miteinander der Verkehrsteilnehmer.

Die Stadt sieht dementsprechend keinen Anlass zum Handeln. "Der Radweg ist durch Schilder klar gekennzeichnet und auch optisch durch Pflasterbänder von den anderen Flächen getrennt. Eine weitere Beschilderung oder Markierung würde zu Lasten der gelungenen Stadtgestaltung gehen", erläutert Adrian Foitzik von der Pressestelle der Stadt. "Auch gibt es mit 2,50 Metern ausreichend Spielraum zum Ausweichen, wenn dies einmal nötig ist. Nach Einschätzung der Stadt klappt dies auch recht gut."

Im Alltag sieht das Miteinander oft so aus: "Die brüllen sich gegenseitig an", sagt Café-Inhaber Karadeniz. Und Petra Böhm sagt: "Wenn jeder auf den anderen Rücksicht nimmt, geht das schon. Doch manchmal habe ich Angst, dass mich jemand vom Fahrrad holt."

Bedrohliche Situationen, aber keine Unfälle

"Größere Unfälle sind am Bohlweg jedoch bisher ausgeblieben", berichtet Polizeisprecher Wolfgang Klages. "Es kommt zwar häufig zu bedrohlichen Situationen, aber es passiert meist nichts – Gott sei Dank." Zumindest nichts, was in der Unfallstatistik auftaucht.

Laut Polizei hat es 2007 im gesamten Stadtgebiet nur sechs Fälle gegeben, in denen Fahrradfahrer Unfälle mit Fußgängern verursacht haben. Dagegen zwölf Zusammenstöße, bei denen die Passanten schuld waren. Ein Großteil der jährlich rund 600 Fahrradunfälle werden aber verursacht, weil Radfahrer die falsche Seite benutzen. "Es geht nur über ein Miteinander. Keiner sollte auf sein Vorrecht pochen", sagt Polizeisprecher Klages. "Und sich auch mal in den anderen hineindenken."

Samstag, 03.05.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8386702/menuid/2048
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