Oberbürgermeister feiert mit als radikal eingeschätzten Islamisten
Verfassungsschutz beobachtet Milli Görüs in Braunschweig Stadt: Besuch soll Vorurteile abbauen
Während der Verfassungsschutz vor der islamistischen und integrationsfeindlichen Organisation Milli Görüs warnt, sucht Oberbürgermeister Gert Hoffmann heute demonstrativ die Nähe. Er will am traditionellen Fastenbrechen in der Milli-Görüs-Moschee teilnehmen.
Eine Sprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes stuft die türkische Organisation in Braunschweig im Gespräch mit unserer Zeitung als extremistisch ein. Allerdings erklärt sie auch, dass sich Milli Görüs von Gewalt distanziere.
Die Organisation versuche, eine Parallelgesellschaft in Deutschland zu verfestigen. Das werde vor allem durch Bildungsangebote an junge Muslime forciert.
Die Sprecherin erklärt weiter: "Es ist schon so, dass das Bildungszentrum an der Varrentrappstraße im Vergleich mit anderen vom Verfassungsschutz beobachteten Moscheen aktiver ist. Milli Görüs fördert ein Weltbild, das dem unserer Verfassung zuwiderläuft."
Zum Besuch des Ramadan-Fastenbrechens erklärt Jürgen Sperber, Sprecher der Stadt: "Für den Oberbürgermeister kommt es darauf an, ob sich ein Moscheeverein der deutschen Gesellschaft öffnet und integrationsbereit ist. Im vergangenen Jahr war er beim deutschsprachigen Muslimkreis und bei der Türkisch-Islamischen Union. Seine Besuche in den Moscheen, zu denen er ja von den muslimischen Gemeinden eingeladen worden ist, sind Beleg für eine neue Offenheit im Umgang miteinander. Sie zeigen auch die Bedeutung, die er der Integration beimisst. Dieser Austausch ist seiner Auffassung nach dringend erforderlich, um Verständnis füreinander zu erreichen und Vorurteile abzubauen."
In der Einladung der Stadt heißt es: "Die Türkische Union ist mit etwa 500 Mitgliedern die größte islamische Gemeinde Braunschweigs. Sie hat ein intensives Vereinsleben und kümmert sich insbesondere um die Integration von Kindern und ihren Müttern."
Das sieht der Verfassungsschutz anders. Für die Sprecherin ist problematisch, dass der zwanglose Kontakt türkischer Kinder mit deutschen Kindern erschwert werde.
Harald Butte vom Staatsschutz Braunschweig verteidigt den Besuch des Oberbürgermeisters. "Die Gruppe aus Braunschweig gehört zwar zu den radikaleren ihrer Art, es ist aber nicht das Schlechteste, hinzugehen und mit ihnen zu sprechen. Die handelnden Personen sind durchaus kooperativ", sagt Butte. Er hält die Teilnahme Hoffmanns am Fastenbrechen für politisch unangreifbar.
Domprediger Joachim Hempel meint: "Der Oberbürgermeister wird das kritische Gespräch auch über die Ziele von Milli Görüs suchen. Wir als Zivilgesellschaft dürfen es nicht zulassen, dass sich in unserem Land Parallelgesellschaften bilden. Deswegen ist es wichtig, nicht nur zu beobachten, sondern so lange im Gespräch zu bleiben, wie man uns zuhört. Ich pflege solche Gespräche auch, aber nicht so gerne an Feiertagen, weil dann besondere Aufmerksamkeit erzeugt wird."













