In Braunschweigs Innenstadt stehen 85 Geschäfte leer
Einzelhandelsverband fordert Leerstands-Manager Stadt relativiert Probleme
Über Großinvestitionen in der Innenstadt wird gejubelt. Dort ein neues Kaufhaus, da eine renovierte Fassade. Fast eine halbe Milliarde Euro wurde in die City gesteckt. Und dennoch gibt es gravierende Probleme. Immer mehr Läden werden aufgegeben und stehen leer.
Die Erfolgsmeldungen übertönten das Ächzen und Stöhnen der Innenstadt. Das meint Olaf Jaeschke. Der Galerist ist Vorsitzender des Einzelhandelsverbands und als Ladenbesitzer in der Innenstadt profunder Kenner der Szene.
"Es kommen viel mehr Menschen, seit es die Schloss-Arkaden gibt, nach Braunschweig. Das ist richtig, aber sie tragen eben oft keine Einkaufstüten", warnt er vor dem Blick durch die rosarote Brille und verweist auf sinkende Konsumfreudigkeit.
Durch die Verdoppelung der Verkaufsfläche in Braunschweig steige die Zahl der Geschäftsaufgaben. Unter Druck seien zuvorderst inhabergeführte Geschäfte, nicht die Ketten. Und die Leerstände blieben dann oft lange unvermietet.
85 Ladengeschäfte stehen aktuell in der Innenstadt leer. Das geht aus einer uns vorliegenden Liste des Einzelhandelsverbands hervor. Tendenz steigend.
Ein Grund: Nach der ECE-Ansiedlung sind die Mieten in der Innenstadt nicht gesunken, sondern weiter in die Höhe geschnellt. Die Comfort Holding, Düsseldorf geht im Schnitt von einer Steigerung von 95 auf 110 Euro Miete je Quadratmeter aus. Braunschweig ist ein attraktives und damit teures Pflaster.
"Die kahlen Schaufenster sind dennoch kontraproduktiv. Sie fallen auf und stören das fraglos aufgewertete Gesamtbild. Die Stadt braucht Leerstands-Management", fordert Jaeschke.
Das Problem ist bei der Stadt angekommen. Auf Anfrage hieß es: Die Dezernentenkonferenz werde das Thema heute behandeln.
Nach unseren Informationen soll gehandelt werden. Es ist aber noch offen, ob tatsächlich ein so genannter Leerstands-Manager bei der Wirtschaftsförderung oder beim Stadtmarketing angesiedelt wird.
Ein Experte der Stadt sagte uns relativierend: "Es ist zu früh, die Auswirkungen der Schloss-Arkaden zu beurteilen. Nach meiner Einschätzung geht es darum, Lagen zu erhalten. Da steuern wir mit Unterstützung für das Quartier-Management gegen. Die Leerstände bewerte ich eher als normalen Prozess."













