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01. August 2010
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Umweltzone vor Beerdigung 1. Klasse

Kaum Fürsprecher und selbst die Umweltverbände weinen ihr keine Träne nach

Von Jörn Stachura

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Die Politik hat noch nicht entschieden, erst nächste Woche tagt der Planungsausschuss. Doch bereits jetzt steht fest, dass eine Umweltzone in Braunschweigs Innenstadt kaum Chancen hat. Selbst die Umweltverbände der Stadt würden darüber nicht in Trauer verfallen.

Wie sorgt man dafür, dass die Belastung von Fußgängern und Bewohnern der Innenstadt mit Feinstäuben deutlich verringert wird? Als Sofortmaßnahme hatte die Stadt ein Verbot für grundloses Fahren mit dem Lastwagen in der Innenstadt verhängt. "Das hat bestimmt all die LKW-Fahrer verärgert, die mit ihrem Sattelschlepper in die Innenstadt wollten, um sich dort schnell mal eine Jacke zu kaufen", meint dazu Jürgen Dittmann, Vorsitzender des BUND Braunschweig.

Der BUND gehört zu den Befürwortern einer Umweltzone. Obwohl "Irritationen", so Dittmann, das in der Experten-Anhörung vergangene Woche offenbar nicht so recht habe deutlich werden lassen. Gleichwohl, sagt Dittmann: "Ob Umweltzone oder nicht – es ist ohnehin kein Konzept zu entdecken, wie man die Luftbelastung in Braunschweig in den Griff bekommen will." Eine Umweltzone allein, die automobile Feinstaubschleudern aus der Innenstadt verbannen würde, fällt für ihn in die Kategorie "Aktionismus". "Man tut was und wartet dann zwei Jahre ab, ob sich etwas getan hat."

Zusätzliche Grenzwerte

Weit, sagt der BUND-Vorsitzende, komme man mit dieser Strategie allerdings nicht: "Bereits im Jahr 2010 kommen zu den Feinstaub-Grenzwerten neue Grenzwerte für Stickoxide hinzu. Die Frage, wie Braunschweig das Thema Luftbelastung angehen sollte, lässt sich also nicht verdrängen, weil sie immer drückender wird." Für Dittmann ist darum klar: "Fortschritte erzielt man nicht mit Einzelmaßnahmen, man benötigt Maßnahmenbündel – die Umweltzone gehört dazu."

Dass dabei ein Stück Utopie mitschwingt, räumt Dittmann ein: "Nur ein Kraftakt sorgt für Veränderungen – und in Braunschweig sehe ich niemanden, der diesen Kraftakt den Bürgern zumuten könnte."

Genau diese Frage hat den Nabu Braunschweig dazu veranlasst, sich gegen eine Umweltzone auszusprechen. Ulrich Welk, 3. Vorsitzender: "Eine Umweltzone wäre momentan ein falsches Instrument für Braunschweig."

Maßnahmenbündel

Natürlich könnten Fahrverbote verhängt werden: "Aber damit bringt man grundlos die Bürger gegen sich auf." Auch Welk sieht die Lösung in einem Maßnahmenbündel. Doch sollen sie greifen, müsste die Stadt Vorleistungen erbringen: "Das Ziel, über das sich wirklich alle einig sind, ist: Die Innenstadt muss für jeden und immer erreichbar sein. Eine Umweltzone verhindert dies, solange die Regiostadtbahn nicht fährt."

Weder Welk noch Dittmann sind um Antworten verlegen, wenn man sie bittet, ihre Maßnahmenbündel zu erläutern:

 Heizanlagen- und Dämmberatung von Hauseigentümern,

 Förderung von Solarenergie und Fernwärme in der Innenstadt,

 Besseres Verkehrsmanagement,

 Ausweitung von Park & Ride mit verbilligten Fahrkarten und mehr Pendelbussen plus Elektrobusse,

 Anhebung der Parkhausgebühren,

 Zusätzliche Straßenbegrünung und Förderung von grünen Fassaden.

Freitag, 21.11.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/9472239/menuid/2048
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