Zu bequem, zu brav, zu überheblich
Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg unterliegt Bayern München 0:3 Zahlreiche Baustellen für Trainer Köstner
WOLFSBURG. Der deutsche Meister befindet sich weiter auf rasanter Talfahrt. Nach der verdienten 1:3 (0:2)-Heimniederlage gegen den FC Bayern München wartet der VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga seit neun Spielen auf einen Sieg.
Der VfL setzte den gegen Hamburg erkennbaren Aufwärtstrend am Samstag vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften VW-Arena gegen München zwar fort. Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner hat dennoch zahlreiche Baustellen, die er gleichzeitig bearbeiten muss.
Baustelle Abwehr: Mit 42 Gegentoren (1 mehr als in der kompletten Meistersaison) ist der VfL die Schießbude der Liga. Bayern-Star Arjen Robben erzielte bereits in der zweiten Minute das 1:0. Daniel van Buyten erhöhte völlig freistehend per Kopf auf 2:0 (26). Und Wolfsburgs Abwehrchef Andrea Barzagli traf, bedrängt von Franck Ribéry, noch ins eigene Netz (57.) irgendwie bezeichnend. "Wir hatten den Sieg noch nicht verdient. Wir müssen den Gegner besser bekämpfen. Und die Gegentore dürfen nicht so einfach fallen", kritisierte Köstner.
Baustelle Zvjezdan Misimovic: Der einst so geniale Spielmacher läuft seiner Form seit Wochen hinterher. Zweimal in Folge holte ihn Köstner vom Feld am Samstag nach 72 Minuten. Grußlos und seine Handschuhe in die Ecke feuernd verschwand Misimovic in der Kabine. Da gibts eine Menge Redebedarf.
Baustelle Grafite: Der Torschützenkönig der Vorsaison erzielte in der 90. Minute zwar sein sechstes Saisontor und präsentierte sich deutlich engagierter als zuletzt. Doch von seiner Bestform ist er weiterhin weit entfernt. Es passte ins Bild, dass Grafite einen Strafstoß verschoss (66.). Bei seinem 13. Elfmeter in der Bundesliga scheiterte er das erste Mal.
Baustelle Einstellung: Wie konnte die identische Mannschaft nach den sensationellen Leistungen in der Meistersaison nur so abstürzen? Der neue VfL-Geschäftsführer Dieter Hoeneß sprach in der DSF-Sendung Doppelpass gestern Klartext: "Selbstüberschätzung ist einer der Punkte. Einige Spieler haben im letzten Jahr über ihre Verhältnisse gespielt, und einige bleiben jetzt unter ihren Möglichkeiten." Und noch etwas hat Hoeneß ausgemacht: "Der eine oder andere ist schlichtweg bequem geworden." Seine Forderung: "Wir müssen aggressiver werden. Die Spieler sind zu brav, wir tun uns selbst nicht mehr weh und vor allem dem Gegner nicht."
Auch Köstner sieht im Titelgewinn ein Problem: "Es ist schwer nach einer Meisterschaft, sich neu zu motivieren. Aber das muss das Ziel eines jeden Spielers sein." Harte Arbeit sei in den nächsten Wochen und Monaten gefragt. "Wir müssen unser Selbstwertgefühl steigern. Dazu muss man richtig ackern und sich schinden."
Baustelle Saisonziel: Ein Platz im internationalen Wettbewerb hat der VfL vor Saisonbeginn als Ziel ausgegeben. Auf Rang 5 beträgt der Rückstand 13 Punkte, nur 8 Zähler Vorsprung sind es dagegen auf Relegationsplatz 16. "Man kann nach oben schielen", meinte Köstner, "aber man sollte keinen steifen Hals bekommen."
Leverkusen und Schalke heißen die nächsten beiden VfL-Gegner danach könnten die "Wölfe" der Abstiegszone noch näher sein. "Wir müssen dringend Punkte holen, damit wir nicht da unten reinrutschen, wo wir nicht hingehören", erklärte Nationalspieler Marcel Schäfer. Auf Köstner und den VfL wartet noch viel Arbeit.











