Augenthaler sticht Rangnick aus
VfL Wolfsburg: Der Weltmeister von 1990 soll die "Wölfe" zu neuen Ufern führen Erfahrung mit Werksklub
WOLFSBURG. Dramatische Wende im schon fast entschiedenen Rennen um den Trainerposten beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Nach Informationen unserer Zeitung hat Klaus Augenthaler den bisherigen Top-Kandidaten Ralf Rangnick auf der Zielgeraden überholt. Schon heute soll die Verpflichtung Augenthalers offiziell bekannt gegeben werden.
Am Dienstag verhandelten VfL-Geschäftsführer Klaus Fuchs und Aufsichtsrats-Chef Lothar Sander in Süddeutschland mit Rangnick. Die Bemühungen um den Ex-Schalker sind bekannt. Doch vor dem Treffen mit Rangnick saßen Fuchs und Sander mit Klaus Augenthaler zusammen. Und der Ex-Nationalspieler und ehemalige Trainer von Bayer Leverkusen wirkte offenbar sehr überzeugend.
"Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Aber sie steht unmittelbar bevor", sagte VfL-Pressechef Kurt Rippholz ohne die Namen Rangnick oder Augenthaler zu kommentieren. Doch selbst Rangnick zeigte sich verwundert, dass der VfL sich entgegen einer Absprache am Mittwoch nicht wieder gemeldet hatte.
VfL-Justiziar Christoph Schickardt wollte Rangnick über den Stand der Dinge informieren. "Bisher konnte ich mich auf sein Wort verlassen. Aber wenn der VfL sich für diese Vorgehensweise entschieden hat, dann ist das für mich legitim. Vielleicht ist der andere Kandidat ja auch besser geeignet", hielt sich Ralf Rangnick gestern auf Anfrage unserer Zeitung bedeckt.
Der große Vorteil des 27-fachen A-Nationalspielers Augenthaler liegt in seiner Erfahrung mit einem Werksverein. Bei Bayer Leverkusen stand der 48-Jährige von Beginn seines Engagements am 13. Mai 2003 an unter Druck.
Die Vorgaben der Klubführung waren damals noch sehr eindeutig: Bayer sollte jedes Jahr in der Champions-League dabei sein. Als erste Amtshandlung musste Augenthaler die Mannschaft allerdings vor dem Abstieg retten. In nur zwei Spielen holte der Weltmeister von 1990 die maximale Punktausbeute und sicherte den Klassenerhalt. Im nächsten Jahr landete Bayer auf Rang 3 und scheiterte in der Champions-League erst am späteren Sieger Liverpool. Die Liga-Saison 2004/2005 schloss Augenthalers Verein auf Platz 6 ab.
Doch zu diesem Zeitpunkt stimmte die Chemie zwischen den Bayer-Bossen und Augenthaler schon nicht mehr. Leverkusen hatte vom Bayer-Werk einen strikten Sparkurs verordnet bekommen und Augenthaler sah einen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Trennung kam im September. Nach der 0:1-Heimniederlage gegen ZSKA Sofia im Uefa-Pokal kritisierte der knorrige Bayer die Zusammensetzung des Kaders und wurde entlassen.
Die Erfolgsbilanz des Spielers Klaus Augenthaler ist beeindruckend (siehe Extra-Artikel auf dieser Seite). Als Trainer fehlen ihm die großen Erfolge noch. Sein erster Auftrag als potenzieller neuer Chefcoach des VfL lautet allerdings auch anders. Wie bei Bayer soll er das Team vor dem Abstieg bewahren.













